Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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147
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III. Dccadeiitcn und Acsthcten.

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Diese ahnende Kunst ist gewiß die höchste Geistesthätigkeitdes Menschen. Alber sie ist nicht die Kunst der Aesthetcn.Sie ist die sittlichste Kunst, denn sie ist die idealste, ein Wort,das nichts Anderes sagen will, als daß sie mit den Vcrvoll-kommnungsbahnen der Gattung gleichläuft, ja mit ihnen zu-sammenfällt.

Mit den verschiedensten Methoden sind wir immer wiederzu demselben Ergebnisse gelangt: es ist nicht wahr, daß dieKunst mit Sittlichkeit nichts gemein hat. Das Kunstwerk mußsittlich sein, denn es hat den Zweck, Emotionen auszudrückenund zu erregen, durch diesen Zweck fällt es unter die Zuständig-keit der Kritik, welche alle Emotionen auf ihre Nützlichkeit oderSchädlichkeit für das Einzelwesen oder die Gattung prüft, undes hat, wenn es unsittlich ist, verurtheilt und unterdrückt zuwerden wie jede andere zweckwidrige organische Thätigkeit. DasKunstwerk muß sittlich sein, denn es soll ästhetisch wirken, eskann dies nnr, wenn es, wenigstens in letzter Linie, vorwiegendLustgefühle erweckt, solche verschafft es nur, wenn es Schönheitin sich schließt, Schönheit aber ist im tiefsten Grunde mitSittlichkeit gleichbedeutend. Das höchste Kunstwerk endlich kannseiner innersten Natur nach gar nicht anders als sittlich sein,denn es ist eine Kundgebung der Lebenskraft und Gesundheit,eine Offenbarung der Entwickelungsfähigkeit der Gattung unddie Menschheit bewerthet es nur darum so hoch, weil sie eineAhnung von diesem Verhalten hat.

Was endlich die letzte Lehre der Aestheten betrifft, daß dieKunst Wahrheit und Natürlichkeit scheuen müsse, so ist sie ein

gion die Form, welche das Ideal, das heißt die ahnende Erkenntnisdes Entwickelungs-Zieles, im Bewußtsein des Menschen annimmt.Der Entwickelungstrieb, die unerläßliche Grundlage alles Lebensund aller Erkenntnis, deckt sich mit dem Neligionsbedürfniß", sagter in einer leider nurals Manuskript gedruckten" Denkschrift, die sehrverdienen würde, der Allgemeinheit zugänglich gemacht zu werden.