Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

Thätigkeit der Organe, eine Vorstellung dieser Aenderungvorangeht. Diese muß zuerst als nothwendig empfunden undgewünscht werden; dann wird von ihr ein Vorstellungsbild inden höheren oder höchsten Nervenzentren ausgearbeitet undzuletzt macht der Organismus Anstrengungen, dieses Vor-stellungsbild zu verwirklichen. Dieser Vorgang wiederholt sichin der Gattung ganz in derselben Weise. Irgend ein Zustandstört sie. Sie empfängt Nnlnstgefühle in ihm. Sic leidetunter ihm. Hieraus ergibt sich ihr Trieb, den Zustand zuändern. Sie macht sich ein Bild von der Art, der Richtung,dem Umfange dieser Aenderung. Nach dem ültern, mystischen,Sprachgebrauchs sie schafft sich ein Ideal. Das Ideal istthatsächlich der Bildungsgedanke künftiger organischer Ent-wickelung zum Zwecke besserer Anpassung. Es entsteht in denvollkommensten Einzelwesen der Gattung früher und deutlicherals in der Durchschnittsmenge und der Künstler wagt mitunsicherer Hand dessen Versinnlichung durch das Kunstwerk,lange ehe es von der Gattung organisch verwirklicht werdenkann. So gewährt die Kunst die feinste, höchste, an dasWunder streifende Erkenntnis;: die der Zukunft. Nicht so be-stimmt natürlich, nicht so unzweideutig wie die Wissenschaft,drückt sie doch auch das geheime Naturgesetz des Seins undWerdens aus. Die Wissenschaft zeigt das Gegenwärtige, Ge-wisse, die Kunst weissagt, wenn auch stammelnd und dunkel,das Kommende, Mögliche. Jener enthüllt die Natur ihre festenFormen, dieser gestattet sie unter Schauern einen raschen, ver-wirrenden Blick in die Tiefe, wo das noch Formlose nach Er-scheinung ringt. Die Emotion, aus der das ahnende Kunst-werk hervorgeht, ist der zukunftschwangere Werdedrang deslebenskräftigen Organismus.

y Wilhelm Loewenthal läßt aus derselben zukunftahnenden Emo-tion auch das religiöse Gefühl und Bedürsniß hervorgehen. Für denVerfasser derGrundzüge einer Hygiene des Unterrichts" ist die Neli-