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2 (1893)
Entstehung
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III. Dccadcnten und Aestheten.

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schriftcu, mit denen sie die Wände ihrer Zellen bedecken, habenmeist ihre Verbrechen zum Gegenstände?) Aber der gesundeMensch fühlt sich von Werten dieser Art heftig abgestoßen undes ist ihm unmöglich, von ihnen einen ästhetischen Eindruck zuempfangen, ihre Form möge noch so sehr den bewährtestenKunstregeln entsprechen.

Noch in einem Falle kann selbst das Häßlichste undLasterhafteste in künstlerischer Darstellung sittlich-schön wirken:wenn es eine sittliche Absicht erkennen läßt, wenn es eine unssympathische Emotion des Urhebers verräth. Denn was wir,bewußt oder unbewußt, hinter feder Kunstschöpfung wahr-nehmen, das ist das Wesen ihres Schöpfers und die Emotion,aus der sie hervorgegangen ist, und an unserer Schätzung desWerkes hat unsere Sympathie oder Antipathie für die Emotiondes Urhebers den stärksten Antheil. Wenn Raffaelli entsetzlichverkommene Absinth-Trinker in schäbigen Kneipen der PariserVororte malt, so fühlen wir deutlich sein tiefes Mitleid beimAnblick dieser entwürdigten Menschenwesen, und diese Regungempfinden wir als eine sittlich-schöne. Ebenso sind wir überdie Sittlichkeit der Emotionen des Künstlers keinen Augenblickim Zweifel, wenn wir die Callotschen Bilder der Kriegsgrcucl,die Zurbaranschen blutigen und eiterschwärigen Heiligen, dieHöllenbreughelschen Ungestalten sehen oder den Mordauftrittin DostojewskisNaskolnikow"^) lesen. Jene Emotionen sindschön. Ihre Mitempfindung gibt uns Lustgefühl. Die Unlustüber die Widerwärtigkeit des Werkes kann gegen dieses nichtaufkommen. Wenn das Werk aber verräth, daß sein Urheber

') Pitro, 8vi cmnii popolari italiani in earaors. Florenz, 1876.S. auch das Gruppenbild der drei Räuber von Ravenna, Lombroso,a. a. O. Tafel XV, zu S. 386.

-) Naskolnikow. Roman von F. M. Dostojewskij. Nach dervierten Auflage des russischen Originals:IX-üstapIonio iübersetzt von Wilhelm Henckel. Leipzig, 1882. 1. Band S. 122128.