Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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139
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III. Decadcnteil und Aestheten.

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schiin sein nnd der Kenner kann an ihnen Genuß haben, ohnebei dem Vorwürfe des Werkes zu verweilen. Die Stiche zudenGeneral-Pächter-Ausgaben" des vorigen Jahrhunderts,die marmornen und bronzenen Werke des pornographischenMuseums in Neapel sind theilweise widerwärtig unsittlich, weilunzüchtig wider die Natur; sie sind aber an sich vortrefflichgearbeitet und einer Betrachtungsweise zugänglich, die vonihrem Gedanken absieht und nur ihre Formvollendung behält.Hier ist also der Eindruck des Kunstwerks aus Ekel an dembehandelten Stoff und Lust an der Schönheit der einzelnengemalten, gezeichneten oder geformten Leiber und ihrer Hal-tungen gemischt, das Lustgefühl mag vorwiegen und das Werktrotz seiner Verworfenheit nicht abstoßend, sondern anziehendwirken. In der Natur ist es nicht anders. Wenn das Schäd-liche und Furchtbare manchmal als schön empfunden wird,so ist es, weil es gewisse Züge und Bcstandtheile enthält, dienicht zwingend auf den furchtbaren oder schädlichen Charakterdes Ganzen Hinweisen, also für sich ästhetisch wirken können.Die Kreuzotter ist schön um ihres metallischen Schimmers, derTiger um seiner Stärke und Geschmeidigkeit, die Fingerhut-Blüthc um ihrer anmuthigen Form und reichen Nosafarbewillen. Die Schädlichkeit der Schlange liegt eben nicht inihren kupferrothen Nückenbändern, die Furchtbarkeit des Naub-thieres nicht in seiner eleganten Erscheinung, die Gefährlichkeitder Giftpflanze nicht in der Gestalt und Färbung ihrer Blüthe.Das Sinnlich-Schöne überwiegt in diesen Fällen das Sittlich-Abstoßende, weil es unmittelbarer gegenwärtig ist, und läßtim Gesammt-Eindruck die Lustgefühle vorwalten. Der Anblickvon Kraftentwickelung und Entschlossenheit ist ebenfalls um dervon ihm erweckten Vorstellungen organischer Tüchtigkeit willenein schöner. Wird man ihn aber noch als schön empfinden,wenn man etwa sieht, wie ein Meuchelmörder ein heftigwiderstehendes Opfer überwältigt, zu Boden wirft und dann