Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

Gattungstriebes hat der Mensch (wie jedes andere in Gesellschaftlebende und auf sie theilwcise angewiesene Thier) das Bestreben,seine eigenen Emotionen den Artgenosscn mitzutheilen, wie erauch selbst die Emotionen der Artgenossen mitempfindet. DieserDrang, sich in emotioneller Gemeinschaft mit der Gattung zuwissen, ist die Sympathie, diese organische Grundlage des Ge-sellschaftsbaues?) In der vorgeschrittenen Gesittung, in welcherdie ursprünglichen natürlichen Beweggründe der Handlungen theilsverdunkelt, theils durch künstliche ersetzt werden und die Hand-lungen selbst einen andern als ihren eigentlichen theoretischen Zweckerhalten, ist es dem Künstler allerdings nicht mehr blos darumzu thun, seine Emotionen mit den Anderen zu theilen, sonderner schafft sein Kunstwerk mit der Nebenabsicht, berühmt zuwerden, ein Wunsch, der noch immer aus gesellschaftfreund-lichen Trieben hervorgeht, da er auf den Beifall der Artgenossengerichtet ist, oder sogar nur, Geld zu verdienen, was nicht mehrein gesellschaftfreundlicher, sondern ein rein selbstsüchtiger Be-weggrund ist. Bei den zahllosen Nachahmern, welche nicht ausursprünglichem Drange die Kunst üben, weil sie ihnen dienatürliche und nothwendige Ausdrucksweise ihrer Emotionen ist,sondern die künstlerisch thätig sind, weil sie neidischen Augesdie Erfolge sehen, welche Andere mit der Kunst erringen, wirktüberhaupt nur noch dieser gemein selbstsüchtige Beweggrund.

Sobald feststeht, daß die Kunst nicht um ihrer selbst willengeübt wird, sondern einen doppelten, subjektiven und objektiven,Zweck hat, den der Befriedigung eines organischen Bedürfnissesdes Künstlers und den der Wirkung auf die Artgenossen, findenauch aus sie die Grundsätze Anwendung, nach welchen jedeandere denselben Zweck verfolgende menschliche Thätigkeit be-st Edmund R. Clay, I^^itsrnativs. Oontriiiniion ü ia ps^-cstioiogio. 'Häuic 60 INnglais pur Luräoau. Paris, > 886 . S. 234:Die Sympathie ist eine Emotion, die in uns durch das erregt wird,,was uns die Emotion oder Empfindung unseres Nächsten zu sein scheint."