Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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131
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III. Dccadenten und Aestheten.

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Anblick versetzt wurde. Rührt die Erregung nicht vom Anblickeiner äußern Erscheinung, sondern von einem innern, organischenZustande (sexueller Erethismus) oder von einer Vorstellungabgezogener Natur (Siegesfreude, Trauer, Sehnsucht) her, sosetzt sie sich zwar ebenfalls in Bewegungen um, doch sind diesenatürlich nicht nachahmende, da sie keine Bewegungs-Vorstellungverwirklichen, sondern theils solche, die blos den Zweck haben,die mit Bewegungs-Antrieb vollgeladenen Nervenzentren zu ent-spannen, wie Tanz, Geschrei, Gesang und Musik, theils solche,welche die gedankenbildenden Zentren entladen, wie getrageneRede, lyrische und epische Dichtung. Wird die Kunstthätigkeitoster geübt und durch Gewohnheit erleichtert, so bedarf es garnicht mehr außerordentlich starker Emotionen, um sie anzuregeu.So oft der Mensch dann durch solche äußere oder innere Ein-drücke erregt wird, die kein Handeln (Kampf, Flucht, Anpassung)erfordern, sondern ihm als Stimmung zum Bewußtsein kommen,entlastet er sein Nervensystem von dieser Erregung durch Kunst-thätigkeit irgend welcher Art, entweder durch die bildenden Künsteoder durch Musik und Dichtkunst.

Nachahmung ist also nicht die Ursache der Künste, sonderneines der Mittel der Kunst; ihre wirkliche Ursache aber ist dieEmotion. Die Kunstthätigkeit ist nicht Selbstzweck, sondernsie hat einen unmittelbaren Nutzen für den Künstler; sie be-friedigt das Bedürfniß seines Organismus, seine Emotionen inBewegung umzusetzen. Er schafft das Kunstwerk nicht um desKunstwerkes willen, sondern um sein Nervensystem von einerSpannung zu befreien. Der znm Gemeinplatz gewordene Aus-druck ist psycho-physiologisch vollkommen zutreffend: der Künstlerschreibt, malt, singt oder tanzt sich eine ihn belastende Vor-stellung oder Empfindung von der Seele.

Zu diesem ersten Zwecke des Kunstwerks, dem subjektivenZwecke der Selbstbefreiung des Künstlers, tritt ein zweiter, ob-jektiver: der Zweck, auf Andere zu wirken. In Folge seines