III. Tecndciitcn und Acsthctcn.
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geübt wurde, und wie unzulänglich sie übrigens ist, geht z. B.schon daraus hervor, daß sie für das Häßliche als Gegenstandkünstlerischer Darstellung überhaupt keinen Platz hat.
Vergegenwärtigen wir uns, wie das Kunstwerk und dieKunst überhaupt entsteht.
Daß die bildende Kunst ursprünglich aus der Nachahmungder Natur hervorgehe, ist ein Gemeinplatz, dem man mit Rechtvorwirft, daß er die Frage nicht tief genug saßt. Nachahmungist allerdings eine der ersten und allgemeinsten Gegenwirkungendes entwickelten Lebewesens ans die Eindrücke, die es van derAußenwelt erhält. Dies ist eine nothwendige Folge des Mecha-nismus der Hähern Thätigkeit des Nervensystems. Jeder zu-sammengesetzten Bewegung muß die Vorstellung dieser.Be-wegung vorangehen und umgekehrt kann eine Vorstellung vonBewegung nicht ausgearbeitet werden, ohne daß die entsprechendeBewegung von den Muskeln wenigstens leise und andeutungs-weise ausgeführt wird. Darauf beruht ja u. A. das bekannte„Gedankenlesen". So oft also ein Wesen, dessen Nervensystemhoch genug entwickelt ist, um Wahrnehmungen zu Vorstellungensteigern zu können, von irgend einer Erscheinung, die gröbereBewegung in sich schließt (Moleknlarbewegungen oder gar Äether-schwingungen werden nicht unmittelbar als Aenderung von Lagenim Raume erkannt), Kenntnis! gewinnt, das heißt, sich eineVorstellung macht, hat es auch die Neigung, die Vorstellungin ähnliche Bewegung zu verwandeln, also die Erscheinung nnch-zuahmen, natürlich sie in der Form nachzuahmen, die es mitseinen Mitteln verwirklichen kann. Wenn nicht jede Vorstellungsich zu wahrnehmbarer Bewegung verkörpert, so ist dies aufdie Wirkung von Hemmungsvorrichtungen im Gehirn zurück-zuführen, die nicht gestatten, daß jede Vorstellung ohne Weiteresdie Muskeln in Thätigkeit setze. Im Zustande der Ermüdunglockert sich die Hemmung und cs kommen in der That allerleiunbeabsichtigte Nachahmungen zum Vorschein, wie z. B. die sym-
Nordau, Entartung. II. 9