Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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127
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III. Decadcnten und Aestheten.

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Leben, meint Wilde nicht etwa die von mir längst festgestellte')Wechselbeziehung zwischen dem Kunstwerk und dem Publikum,die darin besteht, daß jenes eine Suggestion übt und dieses sieerleidet, sondern er will wirklich gesagt haben, daß die Natur nicht die gesitteten Menschen sich in die vom Künstlergegebenen Formen hinein entwickelt.Woher, wenn nicht vonden Impressionisten, bekommen wir die wunderbaren braunenNebel, die durch unsere Straßen kriechen, die Gaslampen ver-schmauchen, die Häuser in ungeheuerliche Schatten verwandeln?Wem, wenn nicht ihnen und ihren Meistern, verdanken wirden herrlichen Silberduft, der über unserem Strome brütet undgeschwungene Brücken und sich wiegende Kähne in Erscheinungenvon verdämmernder Anmuth umbildet? Die außerordentlicheVeränderung, welche im Klima von London während dieserletzten zehn Jahre Platz gegriffen hat, ist gänzlich dieser be-sondere Kunstschule zuzuschreiben." (S. 33.) Wenn er blosfeststellen wollte, daß Nebel und Dunst früher nicht als schönempfunden wurden und daß erst ihre künstlerische Wiedergabe dieMenge auf sie aufmerksam gemacht habe, so wäre ihm nichtzu widersprechen, aber er Hütte einen abgedroschenen Gemein-platz mit unangebrachter Wichtigthuerei vorgetragen. Er be-hauptet jedoch, daß die Maler das Klima geändert haben, daßes in London seit zehn Jahren Nebel gibt, weil die Impressio-nisten Nebel darstellen, und das ist eine solche Albernheit, daßman sie nicht zu widerlegen braucht. Es genügt, sie als Kunst-Mystizismus zu kennzeichnen. Endlich lehrt Wilde:DasAesthetische steht hoher als das Sittliche. Es gehört einergeistigem Sphäre an. Die Schönheit eines Dinges wahrzu-nehmen ist der vornehmste Punkt, zu dem wir gelangen können.Selbst ein Farbensinn ist in der Entwickelung des Individuumswichtiger als der Sinn für Neckst und Unrecht." (S. 173.)

>) Siehe die KapitelInhalt der poetischen Literatur" undZurNaturgeschichte der Liebe" derParadoxe."