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Die Zch-Sucht.
ichsüchtigen Gestörten fehlen, die aber im Normalmcnschen sehrmächtig sind.
Die Vorliebe für absonderliche Kleidung ist die krankhafteVerirrung eines Gattnngstriebes. Die Herausschmückung desAeußern geht ursprünglich ans dem Drange hervor, von denAnderen — in erster Linie dem entgegengesetzten Geschlecht« —bewundert, von ihnen als besonders wohlgebaut, schon, jugendlich,oder reich und mächtig, oder durch Stellung und Verdienst aus-gezeichnet erkannt zu werden, sie geschieht also zum Zwecke, aufdie Anderen günstig zu wirken, sie ist eine Folge des Denkensan die Anderen, der Beschäftigung mit der Gattung. Wennman sich nun, nicht in Folge eines Urtheilsfehlers, sondernmit Absicht so herausputzt, daß man die Anderen ärgert odervon ihnen ausgelacht wird, also Mißbilligung statt Wohlge-fallens erregt, so geht dies gerade gegen den Zweck aller Kleider-kunst und beweist eine Perversion des Eitelkeits-Triebes.
Der vorgeschützte Schönheitssinn ist eine Ausrede des Be-wußtseins für eine Tollheit des Unbewußten. Der Narr, derin Pall Mall eine Maskerade aufführt, sicht sich nicht, genießtalso die schöne Erscheinung nicht, die ihm ein ästhetisches Be-dnrfniß sein soll. Es hätte einen Sinn, wenn er dahin strebenwürde, daß die Anderen sich nach seinem Geschmacke kleiden;denn sie sieht er, sie können ihn durch ihre häßliche Trachtärgern und durch eine schöne erfreuen. Aber daß er die kleider-künstlcrische Neuerung an sich beginnt, bringt ihn seinem angeb-lichen Ziele ästhetischer Befriedigung nicht um ein Haar breitnäher.
Es ist also nicht Unabhängigkeit des Charakters, wenn einWilde in „Aestheten-Tracht" unter den ihn spöttisch oder ge-ärgert anstarrenden Philistern umhergeht, sondern durch keinenhöhern Zweck gerechtfertigte, rein gesellschaftfeindliche, ichsüchtigeRücksichtslosigkeit und hysterisches Verlangen, Aufsehen zu er-