III. Decadcnten und Aestheten.
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Phrasendrescher schwatzen einander die Faselei nach, daßes ein Beweis vornehmer Unabhängigkeit sei, wenn man seinemeigenen Geschmacke folge, ohne sich an die Kleiderordnung desPhilisterviehs zu kehren, und für seinen Anzug Farbe, Stoffund Schnitt wähle, die man als schön empfinde, auch wenn sievon der herrschenden Mode noch so weit abweichen. Auf diesesGeschwätz ist zu erwidern, daß es zunächst ein Anzeichen gesell-schastfeindlicher Ichsucht ist, wenn man ohne Noth, zur bloßenBefriedigung einer Eitelkeit oder eines durchaus nicht wichtigenund unschwach zu zügelnden ästhetischen Triebes, die Mehrheitärgert, was man immer thnt, wenn man sich durch Wort undThat zu ihr in Widerspruch setzt. Mau muß sich aus Rück-sicht auf die Nebenmenschen viele Kundgebungen von Meinungenund Begierden versagen; das dem Menschen beizubringen istZweck der Erziehung und wer es nicht gelernt hat, sich einigenZwang aufzuerlegen, um bei den Anderen nicht anzustoßen,den nennen die bösen Philister nicht einen Aestheten, sonderneinen Flegel.
Im Dienste der Wahrheit und Erkenntniß kann cs zurPflicht werden, der Menge entgegenzutreten, aber der ernsteMensch wird diese Pflicht immer als eine schmerzliche empfindenund an ihre Erfüllung niemals leichtfertig gehen, sondern langund streng prüfen, ob wirklich ein hohes und unbedingten Ge-horsam heischendes Gebot ihn nöthigt, der Mehrheit seinerMitmenschen unangenehm zu werden. Eine solche That istdem sittlichen, gesund fühlenden Menschen eine Art Blutzeugen-schaft für eine Ueberzeugung, deren Bethätigung ihm eineLebensnothwendigkcit ist; sie ist eine Form, und nicht einmaleine gelinde, der Selbstaufopferung, denn sie ist ein Verzichtauf die Freude, die das Bewußtsein der Nebereinstimmung mitden Nebenmenschen gibt, und sie erfordert die qualvolle Nieder-kämpfung der gesellschaftfreundlichen Triebe, die zwar den