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2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

vor. Er hat ja freilich so vielen Vorbildern die Schleppenachgetragen, daß man ihn zum Hausgesinde einer ganzenReihe von Herren zählen muß, schließlich wird man ihn aberdoch dort einordnen, wo er am längsten gedient hat, und daswar bei den Präraphaeliten. Baudelaire hat er hauptsächlichden Diabolismus und Sadismus abgeguckt, die Unzucht widerdie Natur und die Lust an Qual, Krankheit und Verbrechen.Die Ichsucht des Decadententhums, seine Vorliebe für dasKünstliche, seine Abneigung gegen die Natur, gegen jede Formder Thütigkeit und Bewegung, seine größenwahnsinnige Ver-achtung der Menschen und seine Ueberschätzung der Kunst habenihre englischen Vertreter in denAestheten" gefunden, derenFührer Oskar Wilde ist.

Wilde hat mehr durch seine persönlichen Absonderlichkeitengewirkt als durch seine Werke. Wie Barbcy d'Aurevilly, dessenrosaseidenen Hüte und Halsbinden mit Goldspitzen bekannt sind,wie dessen Jünger Peladan, der in Spitzenjabot und Atlas-wams einhergeht, kleidet Wilde sich in absonderliche Trachten,die theils an die Moden des Mittelalters, thcils an Nococo-sormen erinnern. Er gibt vor, den heutigen Kleiderschnitt auf-gegeben zu haben, weil er seinen Schönheitssinn beleidigt, dasist aber nur eine Ausrede, an die er vermuthlich selbst nichtglaubt. Was sein Thun wirklich bestimmt, das ist die hysterischeGier, auszufallen, die Welt mit sich zu beschäftigen, von sichreden zu machen. Es wird versichert, daß er in Pall Mall,der belebtesten Straße des Londoner Westends, in Wams undKniehosen, mit einem malerischen Barett auf dem Kopfe undeiner Sonnenblume, gleichsam der Wappenblume der Aestheten,in der Hand am Hellen Nachmittage spazieren gegangen sei.Diese Anekdote wird in allen Lebensgeschichten Wildes wiederholtund ich habe nicht gesehen, daß ihr irgendwo widersprochenworden wäre. Ist ein Spaziergang mit der Sonnenblumeetwa auch vom Schönhcitsdrange eingegeben?