III. Decadenten und Aestheten.
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halte, zu mehrmonatlicher Gefängnißstrafe verurtheilt wordenwar, ist durch seine Strafsache zu einer Tagesberühmtheit ge-worden; eine sehr reiche, verwaiste Erbin bietet ihm ihre Hand,die „kleine Prinzessin" ihre Liebe. Er heiratet das reicheMädchen, das er nicht liebt, und fährt fort, die „kleine Prin-zessin" zu lieben, die er nicht heiratet. Denn so erfordertes die „Pflege seines Jchs": um seine ästhetischen Neigungen zubefriedigen und mit Wort und Schrift zu „wirken", muß erGeld haben, und um seine Gcmüthsbedürfnisse zu stillen, mußer die „kleine Prinzessin" haben. Nach einigen Monaten derEhe findet er es unbequem, seine Liebe zur kleineu Prinzessinvor seiner Frau zu verheimlichen. Er läßt sie also die Be-dürfnisse seines Herzens errathen. Die Frau steht auf der
Höhe seiner Philosophie. Sie ist „verstündnißvoll". Sie gehtselbst zur „kleinen Prinzessin", führt sie dem edeln Anarchistenzu und von da an lebt dieser reich, geliebt, vergnügt und be-friedigt zwischen der Erbin und der Geliebten, wie es sich für
eine höhere Natur schickt. Barrss glaubt da eine sehr „seltene"und „köstliche" („rare st sxquis") Menschengestalt geschaffenzu haben. Er irrt sich. „Pfleger des Jchs" von der Art desBoulangisten Philippe und des Anarchisten Andre gibt es inallen Großstädten zu Tausenden. Nur kennt die Polizei sieunter einem andern Namen. Sie nennt sie Zuhälter. Unddas Sittengesetz des braven Anarchisten ist längst das derPariser vergoldeten Dirnen, die von jeher den „Liebhaber fürsHerz", ,st'uumut cls Enwst neben „dem Andern" -- oder„den Anderen" — unterhalten haben.
Das Dccadenteuthum ist nicht auf Frankreich beschränktgeblieben. Es hat auch in England Schule gemacht. Voneinem der frühesten und sklavischsten Nachahmer Baudelaires,Swinburne, war schon im vorigen Buche die Rede. SeinenPlatz mußte ich ihm unter den Mystikern anwciseu, denn dasEntartungsstigma des Mystizismus herrscht in seinen Werken