III. Tecudonten und Aesthetrn.
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Sich von seinen Trieben leiten lassen heißt mit anderenWorten, das Unbewußte zum Herrscher über das Bewußtseinmachen, die höchsten Hirnzentren den niederen unterordnen.Aller Fortschritt beruht aber darauf, daß die höchsten Zentrenimmer mehr die Gewalt über den Gesammtorganismns an sichnehmen, daß das Urthcil und der Wille immer strenger dieTriebe und Leidenschaften bändigen und leiten, daß das Be-wußtsein immer weiter ins Gebiet des Unbewußten dringt undsich immer neue Theile davon aneignet. Der Trieb drückt einunmittelbar empfundenes Bedürfnis; aus und seine Befriedigunggewährt unmittelbare Lust, gewiß. Aber dieses Bedürfnis istoft das eines einzigen Organs und seine Befriedigung, obschondem verlangenden Organ angenehm, mag dem Gesammtorga-nismus schädlich, ja tödtlich sein. Es gibt ferner gesellschaft-feindliche Triebe, deren Befriedigung zwar nicht dem Organis-mus selbst unmittelbar schädlich ist, aber sein Zusammenlebenmit der Gattung erschwert oder unmöglich macht, also seineLebensbcdingungen verschlechtert und ihm mittelbar den Unter-gang bereitet. Das Urtheil allein ist berufen, diesen Triebendie Vorstellung der Bedürfnisse des Gesammtorganismns undder Gattung entgegenznhalten, und der Wille hat die Aufgabe,der vernünftigen Vorstellung den Sieg über den selbstmörderi-schen Trieb zu sichern. Das Urtheil kann irren, es ist dasArbeitsergebniß eines höher differenzirten heiklem Werkzeugs,das, wie jede feinere und verwickeltere Maschine, leichter in Un-ordnung kommt und versagt als ein einfacheres und gröberesGerätst; der Trieb, die ererbte, organisirte Gattungserfahrung,ist in der Regel sicherer und zuverlässiger. Das sei ohne Wei-teres zugegeben. Aber was ist das Unglück, wenn das Urtheileinmal in einem Verbote irrt, welches es dem Trieb entgegen-setzt? Dann wird in der Regel der Organismus nur um einaugenblickliches Lustgefühl gebracht, er erleidet also höchstenseinen negativen Schaden, der Wille wird aber eine Anstrengung
Nord au. Entartung. II. 8