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2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

Blechlandschaft Baudelaires. Aber dieser Traum eines von denGeschäften zurückgezogenen blödsinnig gewordenen Kurzwaaren-händlers ist nicht der einzige Genuß des Herzogs des Esseintes,derdie Dummheit und Gemeinheit der Menschen" so tief ver-achtet, obwohl von allen seinen Bekannten wahrscheinlich keineinziger aus eine solche Eselei verfallen wäre wie diese mecha-nischen Fische mit Rädergetriebe. Wenn er sich etwas besondersGutes anthun will, so dichtet und spielt er sich eine Schmeck-Symphonie. Er hat sich nämlich einen Kasten bauen lassen,den eine große Anzahl Tönnchen mit verschiedenen Schnäpsenfüllen. Die Hähne aller Fäßchen können durch eine Vorrichtung,die ein Druck aus einen Knopf in Bewegung setzt, gleichzeitiggeöffnet oder geschlossen werden und unter jedem Hahn stehtein winziger Becher, in welchen bei Aufdrehung des Hahns einTropfen fällt. Diesen Schnapsschrank nennt des Esseintes seineMund-Orgel." (Man beachte diese lächerliche Wichtigthnerei,um sich aus allerlei Flaschen etwas Likör zusammenzngießen!Als ob dazu tiefsinnige mechanische Vorrichtungen nöthig wären!)Die Orgel war dann offen. Die Register mit der Aufschrift,Flöte, Horn, himmlische Stimme' waren aufgezogen, bereit, inBewegung zu treten. Des Esseintes trank einen Tropfen hier,einen da, spielte sich innere Symphonien und erreichte es, sichin der Kehle ähnliche Empfindungen zu bereiten, wie die Musiksie ins Ohr gießt. Jeder Schnaps entsprach, behauptete er, mitseinem Geschmack dem Klang eines Tonwerkzeugcs; der herbeCurayao z. B. der Klarinette, deren Gesang säuerlich undsammtweich ist; der Kümmel der Oboe, deren dröhnenderLaut näselt; Pffeffermünz und Anisette der Flöte, zugleich ge-zuckert und gepfeffert, quiekend und sanft; während, um dasOrchester zu vervollständigen, der Kirsch wüthend die Trompetebläst, Gin und Whisky mit ihrem schrillen Piston- und Trombon-Gedröhne den Gaumen ausreißen, der Träber-Branntwein mitdem betäubenden Getöse der Tuben blitzt, während die vom