Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
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Die Jch-Sucht.

wie der seinige, in einer emsigen Hinfälligkeit (!) gefallen hätte...Entnervt, verstimmt, empört über das Nichtssagende der ansge-tauschten und empfangenen Gedanken, wurde er wie die Leute,die überall schmerzhaft sind; er kam so weit, daß er sich be-ständig die Oberhaut aufschürfte, daß er unter dem vater-ländischen und gesellschaftlichen Blech litt, das die Zeitungenjeden Tag auftischen. . . Er träumte eine kunstvolle Thebaide,eine bequeme Einöde, eine unbewegliche und laue Arche, in dieer sich flüchten könne, fern von der unaufhörlichen Sintflut dermenschlichen Dummheit."

Er verwirklicht diesen Traum. Er verkauft seine Güter,erwirbt für die Trümmer seines Vermögens französische Rente,die ihm 50 000 Franken jährlich abwirft, schafft sich ein Hausan, das auf einem Hügel in einiger Entfernung von einemkleinen Dorfe allein steht, und richtet sich da ganz nach seinemGeschmacke ein.

Das Künstliche erschien des Esseintes das auszeichnendeMerkmal des menschlichen Genies. Die Zeit der Natur, sagteer, ist um. Sie hat durch die ekelhafte Einförmigkeit ihrerLandschaften und Himmel die aufmerksame Geduld der Ver-feinerten endgiltig erschöpft. Welche Plattheit eines in seineBerufsarbeit eingepferchten Fachsimpels, welche Engherzigkeiteiner blos eine bestimmte Waare führenden Krämerin, welcheseintönige Ladengeschäft von Wiesen und Bäumen, welche alltäg-liche Niederlage von Bergen und Meeren!" (S. 31.)

Er verbannt also alles Natürliche aus seinem Gesichtskreisund umgibt sich mit Künstlichkeit. Er schläft am Tage undverläßt erst gegen Abend das Bett, um die Nacht über in seinemhell erleuchteten Erdgeschoß zu sitzen, zu lesen, zu träumen.Er geht nie aus dem Hause, sondern bleibt in seinen vierWänden. Er sieht Niemand vor sich, auch ein alter Dienerund seine Frau, die seine Wirthschaft führen, müssen alle Arbeitthun, wenn er schläft, so daß sie ihm nie vor die Augen