III. Dccadcnten und Aesthetcn.
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sich gleich geblieben. Er ist als schmachtender „Decadent" ganzso gemein unzüchtig, wie er als viehischer „Naturalist" war.
rebvurs^ kann man kaum einen Roman nennen, wieHuysmans das Buch denn auch nicht als solchen bezeichnet.Es trägt keine Geschichte vor, es hat keine Handlung, sonderngibt sich als eine Art Schilderung oder Lebensbeschreibung einesMenschen, dessen Gewohnheiten, dessen Neigungen und Ab-neigungen, dessen Gedanken über alle möglichen Gegenstände,namentlich über Kunst und Schriftthum, uns mit großer Aus-führlichkeit erzählt werden. Dieser Mensch heißt des Esseintesund ist der letzte Träger eines alten französischen Herzogstitels.
Der Herzog Jean des Esseintes ist körperlich ein Schwäch-ling, bleichsüchtig, nervös, der Erbe aller Laster und Ent-artungen eines erschöpften Geschlechtes. „In den letzten zweiJahrhunderten hatten die des Esseintes ihre Kinder unter ein-ander verheiratet und in Ehen Blutsverwandter die letztenUeberbleibsel ihrer Kraft aufgebraucht." „In ihrem Blute tratdie Vorherrschaft der Lymphe auf." (Diese Anwendung wissen-schaftlich klingender Fachausdrücke und Floskeln ist vielen ent-arteten Schriftstellern der Gegenwart und ihren Nachahmerneigenthümlich. Sie werfen mit derartigen Worten und Redens-arten um sich wie der „gebildete Hausknecht" der Posse mitfranzösischen Brocken, haben aber von Wissenschaft ebenso wenigeine Ahnung wie dieser von der französischen Sprache.) DesEsseintes wurde von den Jesuiten erzogen, verlor früh seineEltern, vergeudete in albernen Gelagen, bei denen er sich lang-weilte, einen großen Theil seines Vermögens, zog sich aberbald aus der Gesellschaft zurück, da sie ihm unausstehlich wurde.„Seine Verachtung der Menschheit wuchs. Er begriff endlich,daß die Welt großentheils aus Schurken und Schwachköpsenbesteht. Er hatte nicht mehr die Hoffnung, bei Anderen die-selbe Sehnsucht und denselben Haß zu entdecken, nicht mehrdie Hoffnung, sich mit einem Geiste zu paaren, der sich, ebenso
Nordcni, Entartung. II. 7