Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

zu große Anzahl von Individuen hervor, welche zu den Ar-beiten des gewöhnlichen Lebens ungeeignet sind"; diese Indi-viduen sind eben die Entarteten; diesehören auf, ihre Kraftder Gesammtkrast unterzuordnen", weil sie ichsüchtig sind undihre verkümmerte Entwickelung nicht bis zu der Höhe gelangtist, auf welcher das Individuum seinen gemächlichen undgeistigen Anschluß an die Gesammtheit erreicht, und ihre Ich-sucht macht die Entarteten nothwendig zu Anarchisten, dasheißt zu Feinden aller Satzungen, die sie nicht begreifen unddenen sie sich nicht anzupassen vermögen. Ueberaus bezeichnendist, daß Bourget, der all dies einsieht, der erkennt, daßdeca-dent" gleichbedeutend ist mit Unfähigkeit zu den regelmäßigenThätigkeiten und zur Unterordnung unter die Gesellschaftszweckeund daß die Folge der Decadenz Anarchie und Untergang derGesammtheit ist, trotzdem die Decadenten, namentlich Baude-laire, rechtfertigt und bewundert. Das istdas Bewußtsein imBösen", von dem sein Meister spricht.

Wir wollen uns nun den idealen Decadenten ansehen, denuns Huysmans in robonrs^ so liebevoll und eingehendzeichnet. Zuvor ein Wort über den Verfasser dieses lehrreichenBuches. Huysmans, der klassische Typus des Hysterikers ohneEigenart, der das vorbestimmte Opfer jeder Suggestion ist, be-gann seine schriftstellerische Laufbahn als fanatischer NachahmerZolas und gab in jenem ersten Abschnitte seiner EntwickelungRomane und Novellen von sich, in denen er (wie inMarthe")an Unstätigkeit sein Vorbild weit überbot. Dann wandte ersich mit jähem Gesinnungswechsel, der gleichfalls echt hysterischist, vom Naturalismus ab, überhäufte diese Richtung und Zolaselbst mit den heftigsten Schmähungen und verlegte sich aufdie Nachäffung der Diaboliker, insbesondere Baudelaires. Einrother Faden verknüpft übrigens seine beiden sonst so schroffgetrennten Manieren, nämlich seine Schlüpfrigkeit. Die ist