III. Decadenten und Aestheten.
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Entarteten ihren eigenen Seelenzustand willkürlich den Schrift-stellern der römischen und byzantinischen Verfallszeit, einemPetronius, namentlich aber einem Commodianus von Gaza,Ausonius, Prudentius, Sidonius Apollinaris u. s. m. andichtetenund nach ihrem Ebenbild oder aus ihren kranken Triebenheraus einen idealen „Menschen der römischen Decadenz"schufen, wie I. I. Rousseau den idealen Wilden und Chateau-briand den idealen Indianer erfanden und aus ihrer Ein-bildungskraft heraus in eine fabelhafte Vergangenheit oderräumliche Entfernung versetzten. Bourget ist ehrlicher, wenner aus die schwindelhafte Anführung der lateinischen Verfalls-Schriftsteller verzichtet und die „Decadenz", unabhängig vonseinen parnassischen Meistern, so umschreibt:^ „Man bezeichnetmit diesem Worte den Zustand einer Gesellschaft, die eine zugroße Anzahl von Individuen hervorbringt, welche zu denArbeiten des gewöhnlichen Lebens ungeeignet sind. Eine Ge-sellschaft muß einem Lebewesen gleichgestellt werden. Wie einsolches ist sie ein Bund untergeordneter Wesen, die selbstwieder einen Bund von Zellen darstellen. Der Einzelmenschist die Zelle der Gesellschaft. Damit das ganze Lebewesen sichkräftig bethätige, müssen die Wesen, aus denen es zusammen-gesetzt ist, mit Kraft, aber mit einer sich unterordnenden Kraft,sich bethätigen. Und damit die untergeordneten Wesen selbstsich mit Kraft bethätigen, müssen die Zellen, aus denen siezusammengesetzt sind, sich mit Kraft, aber mit einer sich unter-ordnenden Kraft, bethätigen. Wenn die Kraft der Zellen unab-hängig wird, hören die Wesen, die das ganze Lebewesen bilden,ebenfalls auf, ihre Kraft der Gesammtkraft unterzuordnen, unddie Anarchie, die dann eintritt, stellt die Decadenz der Ge-ammtheit dar."
Ganz richtig. Eine verfallende Gesellschaft „bringt eine
9 Paul Bourget, a. a. O. S. 24.