III. Decadenten und Aestheten.
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Seufzer einer kräftigen Person, die bereits für das geistige Lebenumgewandelt und vorbereitet ist, sich eigentümlich dazu eignet,die Leidenschaft auszudrücken, wie die heutige Dichterwelt siebegreift und fühlt? Die Mystik ist der andere Pol des Mag-neten, von dem Catull und seine Bande, rohe Dichter derbloßen Oberhaut (puremeut opickormigues!) nur den PolSinnlichkeit gekannt haben. In dieser wundervollen Sprachescheinen wir die Fehler und Barbarismen die notwendigenNachlässigkeiten einer Leidenschaft wiederzugeben, die sich vergißtund der Regeln spottet. Die Worte, die eine neue Bedeutungerhalten, offenbaren die bezaubernde Unbeholfenheit des vor derrömischen Schönen knieenden nordischen Barbaren. Spielt dennnicht selbst der in diesem pedantischen Lallen auftretende Kalauerdie wilde und absonderliche Anmuth der Kindheit?"
Der Leser, der das Kapitel über die Psychologie desMystizismus gegenwärtig hat, erkennt natürlich sofort, washinter dem Gewäsch von Gautier und Baudelaire steckt. IhreSchilderung des Seelenzustandes, den die „decadente" Spracheausdrückcn soll, ist einfach eine Schilderung der Geistesverfassungmystischer Entarteter, mit ihren treibenden Nebelvorstellungen,ihrer Flucht formloser Gedankenschatten, ihren Verderbnissenund Verirrungen, ihren Angstgefühlen und Zwangsantrieben.Um diesen Seelenzustand auszudrücken, muß man allerdingseine neue, unerhörte Sprache erfinden, da es für Vorstellungen,die in Wirklichkeit keine sind, in keiner gebräuchlichen Sprachedeckende Bezeichnungen geben kann. Es ist vollkommen will-kürlich, ein Beispiel und Vorbild „decadenter" Ausdrucksweisein der Sprache der spätrömischen Kaiserzeit zu suchen. Essollte Gautier schwer werden, an irgend einem Schriftstellerdes vierten und fünften Jahrhunderts das ihn so entzückende„vom Grün der Verwesung marmorirte und gleichsam wildernde"Latein nachzuweisen. Huysmans, in der Weise der Nachahmerden Gedanken Gautiers und Baudelaires ungeheuerlich über-