träumt ein Ideal von Unbeweglichkeit, ewiger Stille, Ebenmaßund Künstlichkeit; er liebt die Krankheit, die Häßlichkeit, dasVerbrechen; alle seine Neigungen sind in tiefer Verirrung denender gesunden Menschen entgegengesetzt; seinen Geruchssinn er-freut Fäulnißduft, sein Auge der Anblick von Aas, Eiterwundenund fremdem Schmerz; er fühlt sich in kothigem und nebe-ligem Herbstwetter wohl: seine Sinne erregt nur widernatür-liche Lust. Er klagt über entsetzliche Langweile und Angst-gefühle; seinen Geist erfüllen blos finstere Vorstellungen, seineJdeen-Assoziation arbeitet ausschließlich mit traurigen oder ekel-haften Bildern; das Einzige, was ihn zerstreuen und anregenkann, ist das Schlechte: Mord, Blut, Geilheit, Lüge. Er betetzu Satan und sehnt sich nach der Hölle.
Er hat versucht, seine Eigenthümlichkeiten für Komödien-spiel und einstudirte Haltung auszugeben. In einer Anmer-kung zur ersten Ausgabe (1857) seiner Gedichte sagt er: „DieseGedichte . . . sind, wenigstens von den geistreichen Leuten, nurals das angesehen worden, was sie sind: als die Nachahmungder Denkweise der Unwissenheit und Wuth. Seinem schmerz-lichen Programm getreu hat der Verfasser der ,BIMsen desBösen* als vollkommener Komödiant seinen Geist nach allenSophismen wie nach allen Verworfenheiten formen müssen.Diese offene Erklärung wird ohne Zweifel die wackeren Kritikernicht hindern, ihn unter die Theologen des Pöbels einzureihen"u. s. w. Einige seiner Bewunderer glauben ihm diese Aus-rede oder thun doch so. „Seine tiefe Verachtung des Ge-meinen", säuselt Bourgetft) „bricht in maßlosen Paradoxen undmühseligen Foppereien (mMiüeutious) los. . . Bei vielenLesern, selbst den scharfsinnigsten, hindert die Furcht, vondiesem großen Verächter hinters Licht geführt zu werden, dievolle Bewunderung." Das Wort ist zum kritischen Gemein-
>) Bourget, a. a. O. S. 31.