Um das Bild dieses Geistes zu vervollständigen, seien nochzwei seiner Eigenthümlichkeiten angeführt. Er leidet erstensan beständigen Angstvorstellungen. „Alles ist Abgrund," sagter in dem als Bekenntniß werthvollen Gedichte „Der Abgrund";„Handlung, Verlangen, Traum, Wort; über mein Haar, dassich senkrecht sträubt, fühle ich, wie oft! den Hauch der Furchtstreifen. Oben, unten, überall die Tiefe, die Klippe, dasSchweigen, der schauerliche und anziehende Raum. Auf denGrund meiner Nächte zeichnet Gott mit seinem geschicktenFinger erbarmungslos ein vielförmigcs Schreckgespenst. Ichfürchte mich vor dem Schlafe, wie man sich vor einem großenLoche fürchtet, das voll unbestimmten Grauens ist und manweiß nicht wohin führt; ich sehe nichts als Unendliches durchalle Fenster und mein Geist, immer vom Schwindel verfolgt,sehnt sich nach der Unempfindlichkeit des Nichts." Baudelaireschildert hier ziemlich genau jene Zwangsvorstellung der Ent-arteten, welche man „Abgrundscheu", „Kremnophobie" *), ge-nannt hat. Die zweite Eigenthümlichkeit ist seine Beschäf-tigung mit den Gerüchen. Er ist auf sie aufmerksam, deutetsie, sie regen in ihm allerlei Empfindungen und Jdeen-Asso-ziationen an. „Die Düfte, die Farben und die Töne ent-sprechen einander," heißt es in dem Gedichte „Beziehungen";„es gibt Düfte, die so frisch sind wie Kinderfleisch, sanft wieOboen, grün wie Wiesen, andere, die verdorben, reich undtriumphirend sind und die Ausdehnung des Unendlichen haben,wie Ambra, Moschus und Weihrauch, welche die Verzückungendes Geistes und der Sinne singen." Er liebt das Weib mitseinem Geruchssinn („Der Duft deiner fremdartigen Reize," —„Eine Malabarin") und versäumt nie, bei der Schilderungeiner Geliebten ihrer Ausdünstungen zu erwähnen. („Wenn
st Or. E. Negis, Manuel pratigas äs insä seine insntals.Osuxiöins ääition. Paris, 1892. S. 279.