II. Parnassier und Diaboliker.
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Saaten und deine Herden gedeihen; Geschlecht Kains, deineGedärme heulen vor Hunger wie ein alter Hund. GeschlechtAbels, wärme deinen Bauch an deinem patriarchalischen Herde;Geschlecht Kains, in deiner Höhle zittre vor Kälte, armerSchakal! ... Ah, Geschlecht Abels, dein Aas wird dierauchende Erde düngen! Geschlecht Kains, deine Arbeit istnoch nicht hinlänglich gethan. Geschlecht Abels, sieh deineSchmach. Das Eisen ist durch den Spieß besiegt! (?) Ge-schlecht Kains, ersteige den Himmel und wirf Gott aus dieErde hinunter!" („Abel und Kain.") Wenn er betet, so istes zum Teufel: „Ruhm und Preis dir, Satan, in den Höhendes Himmels, wo du geherrscht hast, und in den Tiefen derHölle, wo du, ein Besiegter, schweigend träumst. Mache, daßmeine Seele eines Tages, unter dem Baume der Erkenntniß,bei dir ruhe. . ." („Die Litaneien Satans.")
Hier mischt sich in die Verirrung jener Mystizismus, derbeim Entarteten nie fehlt. Die Liebe zum Bösen kann natur-gemäß nur dann die Form der Tenfelsverehrung, des Diabolis-mus, annehmen, wenn man gläubig ist, wenn man Ueber-natnrliches für wirklich hält. Nur wer mit allen seinen Em-pfindungen im Kirchenglauben wurzelt, wird, wenn er ansittlicher Verirrung leidet, eine Wonne in der Anbetung Satans,in der leidenschaftlichen Schmähung Gottes und des Heilandsund in der Schändung der Sinnbilder des Glaubens suchenoder seine widernatürliche Wollust durch Todsünde und höllischeVerdammniß steigern wollen, indem er ihr in der „schwarzenMesse" fröhnt, im Beisein eines wirklichen, geweihten Priestersund unter scheußlicher Nachspottung aller Formen der Liturgie.
Neben dem Teufel betet Baudelaire nur noch eine Machtan: die Wollust. „Ah! dämpfe deine Flammen nicht!" siehter zu ihr, „wärme mein erstarrendes Herz, Wollust! Marterder Seelen! . . . Wollust, sei immer meine Königin!" („Ge-bet eines Heiden.")
Nord au. Entartung. II.
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