II. Parnassicr und Diaboliker.
79
kümmert seinen Bauch voll Ausdünstungen. . . Der Himmelbetrachtete das prächtige (!) Aas, das sich wie eine Blume ent-faltete, der Gestank war so entsetzlich, daß Sie glaubten, Siemüßten ohnmächtig aus den Rasen sinken. . . Und doch, Sternmeiner Augen, Sonne meiner Natur, Sie, mein Engel undmeine Leidenschaft, Sie werden wie dieser Mist, wie dieserfürchterliche Pestgeruch sein. Ja, Königin der Anmuth, sowerden Sie sein, wenn Sie nach der letzten Wegzehrung hin-gehen werden, um unter Gras und feisten Pflanzen zwischenTodtengebein zn vermodern."
Am meisten gefällt sich Baudelaire in diesen Bildern desTodes und der Verwesung, deren ich noch eine große Anzahlanführen konnte, wenn ich nicht glaubte, daß die gegebenenProben genügen. Aber nächst dem Schauerlichen und Ekel-haften ist es das Kranke, Verbrecherische und Schlüpfrige, wasihn am stärksten anzieht.
(„Traum eines Wißbegierigen":) „Kennst du, wie ich, denschmackhaften Schmerz?" („Lpleen«:) „Meine Katze, amBoden ihr Lager suchend, zappelt fortwährend mit ihrem ab-gemagerten und aussätzigen Körper." („Der Wein des Ein-samen":) „Ein lasterhafter Kuß der magern Adeline . .(„Abenddämmerung":) „Hier ist der reizende Abend, der Freunddes Verbrechers. . . Der ungeduldige Mensch verwandelt sichjetzt in ein reißendes Thier." („Die Zerstörung":) „Fortwäh-rend regt sich neben mir der Dämon. . . Ich verschlinge ihn,ich fühle, wie er meine Lunge verbrennt und mit ewiger sünd-hafter Begierde erfüllt. . . Er führt mich in die tiefen, wüstenEbenen der Langweile und wirst mir besudelte Gewänder,offene Wunden und blutige Zerstörungswerkzeuge ins Auge."In dem Gedichte „Eine Blutzeugin" schildert er liebevoll undeingehend ein Schlafzimmer, in welchem eine junge, wahrschein-lich hübsche, Dirne ermordet worden ist; der Mörder hat ihrden Kopf abgeschnitten und mitgenommen; der Dichter ist nur