II. Parnassier und Diaboliker.
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„Reise" . nur das langweilige Schauspiel der unsterblichenSünde gesehen. Das Weib, eine gemeine, hochmüthige unddumme Sklavin, betet sich selbst an, ohne zu lachen, und liebt sich,ohne sich vor sich zu ekeln. Der Mann, ein gefräßiger, harter,habgieriger Tyrann, ist ein Sklave dieser Sklavin und eineGosse im Siel. Der Henker schwelgt, der Blutzeuge schluchzt,Blut würzt und durchduftet das Fest. . . Die wenigst Dummen,kühne Liebhaber des Wahnsinns, fliehen die vom Schicksal ein-gepferchte große Herde und flüchten sich ins ungeheure (!) Opium.Das ist der ewige Tagesbericht vom ganzen Erdball. . . O Tod,alter Kapitän, es ist Zeit! Lichten wir den Anker! DiesesLand langweilt uns, o Tod. Stechen wir in die See. . . Wirwollen an den Boden des Abgrunds tauchen; er sei Hölle oderHimmel; was liegt daran? An den Boden des Unbekannten, umetwas Neues zu finden!"
Dieser verzweifelte Schrei nach „etwas Neuem" ist dienatürliche Klage eines Gehirns, das sich nach dem Lustgefühlder Thätigkeit sehnt, gierig nach Anregung verlangt und sievon den untüchtigen Sinnesnerven nicht erhalten kann. Eingesunder Mensch denke sich in die Stimmung, in die er ge-rochen würde, wenn man ihn in eine Zelle sperrte, in der keinStrahl, kein Laut, kein Duft der Außenwelt zu ihm dringenwürde. Er hat dann die richtige Vorstellung vom dauerndenSeelenzustande des Ichsüchtigen, den die Unvollkommenheitseines Nervensystems ewig von der Welt, ihrem fröhlichenLärm, ihren wechselnden Bildern, ihrem spannenden Treibenabsondert. Baudelaire kann nicht anders als sich entsetzlich lang-weilen, denn sein Geist erfährt wirklich nichts Neues und Unter-haltliches und ist gezwungen, ohne Unterlaß in der Selbst-betrachtung seines bresthasteu, schmerzwimmernden Jchs zu brüten.
Die einzigen Bilder, die seine Gedankenwelt bevölkern, sindfinstere, grimmige und abscheuliche. Er will („Der muntereTodte") „in einer fetten Erde, voll Schnecken, selbst für sich