dem er monatelang in den tiefsten Graden des Irrsinns ge-schwelt hatte. Aber selbst wenn kein so entsetzliches Endedie Diagnose gegen jede Anfechtung sichergestellt hätte, sowäre sie nicht zweifelhaft, da er sein ganzes Leben lang allegeistigen Stigmate der Entartung auswies. Er war zugleichMystiker und Erotomane Z) er war Haschisch- und Opium-esser ,^) er fühlte sich in bezeichnender Weise von anderen Ent-arteten, Wahnsinnigen oder Lasterhaften angezogen und verehrtez. B. von allen Schriftstellern den begabten, aber geistesgestörtenEdgar Pos und den Opiumesser de Quincey am höchsten. Erübersetzte Edgar Poös Erzählungen und widmete ihm eine be-geisterte Lebeusgeschichte und Kritik und aus den „Bekennt-nissen eines englischen Opiumessers" von de Quincey veran-staltete er einen erschöpfenden Auszug, den er mit überschweng-lichen Zwischenbemerkungen begleitete.
0 Bourget, a. a. O. S. ll: „Er ist ein Wollüstling (lidsrtin)und Vorstellungen, die bis zuin Sadismus verderbt sind, erregen den-selben Mann, der den erhobenen Finger seiner Madonna anbetct. Diemürrischen Trunkenheiten der gemeinen Venus, die berauschende Glutder schwarzen Venus, die kunstvollen Wonnen der erfahrenen Venus,die verbrecherischen Wagnisse der blutgierigen Venus haben ihre Er-innerungen in den durchgeistigtsten seiner Gedichte gelassen. Ein übel-riechender Dunst niederträchtiger Schlafzimmer entweicht seinen Ge-dichten u. s. w." Und S. 19: „Baudelaires Seele war eine mystische.Diese Seele . . . begnügte sich nicht mit dem Glauben an einen Ge-danken. Sie sah Gott. Er war für sie kein Wort, kein Sinnbild,keine Abstraktion, sondern ein Wesen, in dessen Gesellschaft die Seelelebte wie wir mit einem liebenden Vater."
-) Theophile Gautier, der selbst Mitglied eines Haschisch-Klubswar, sucht uns zwar („Uos tisurs üu mal" S. 57 ff.) weiszumachen,daß Baudelaire sich dem Genüsse der narkotischen Gifte blos „auswissenschaftlichem Drange", „zürn Zwecke des Studiums ihrer Wirkungan sich selbst" hingegeben habe, wir kennen ja aber die Neigung allerEntarteten, Zwangsantriebe, deren sie sich schämen, als freie Willens-Handlungen hinzustellen, für die sie allerlei beschönigende Erklürungs-gründe haben.