Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
68
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Die Jch-Sncht.

ist das Unbewußte; ihm ist denn auch die Abwehr der ein-fachen, häufig vorkommenden Schädlichkeiten überlassen und derEkel gegen unzuträgliche Geschmacks-, der Widerwille gegensolche Geruchs-Eindrücke, das Entsetzen vor gefährlichen Thieren,Natur-Erscheinungen u. s. w. ist in ihm zum Triebe geworden,dem der Organismus sich ohne Nachdenken, das heißt ohne Da-zwischenkunft des Bewußtseins, überläßt. Aber nicht nur wasihm selbst unmittelbar schädlich ist lernt der menschliche Orga-nismus unterscheiden und scheuen, sondern auch das, was ihnnicht als Individuum, sondern als Gattungswesen, als Mitgliedeiner gefügten Gesellschaft bedroht; auch die Abneigung gegenEinwirkungen, die den Bestand oder das Gedeihen der Gesell-schaft schädigen, wird bei ihm zum Triebe. Doch stellt dieseBereicherung der organisirten Erkenntniß des Unbewußten einenhohen Grad von Entwickelung dar, den viele Menschen nichterreichen. Die gesellschaftlichen Triebe sind vom Menschen amspätesten erworben worden und dem bekannten Gesetze gemäßverliert er sie zuerst, wenn er in seiner organischen Entwickelungzurückgeht.

Das Bewußtsein hat nur dann Anlaß, die Gefährlichkeitvon Erscheinungen festzustellen und den Organismus gegen siezu schützen, wenn diese Erscheinungen entweder ganz neue odersehr seltene find, so daß sie nicht erblich bekannt und ge-fürchtet sein können, oder wenn sie sehr viele verschiedenartigeBestandtheile in sich schließen, auch nicht unmittelbar, sondernerst in näherer oder entfernterer Folge wirken, so daß ihre Er-kenntniß eine verwickelte Vorstellungs- und Urtheils-Thätigkeiterfordert.

Das Mißbehagen ist also immer eine triebhafte oder be-wußte Erkenntniß der Schädlichkeit einer Einwirkung. SeinGegensatz, das Wohlbehagen, ist nicht etwa blos, wie mehrfachbehauptet worden ist, die Abwesenheit von Mißbehagen, alsoein negativer Zustand, sondern etwas positives. Jeder Theil