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Dis Jch-Sucht.
Gang der sittengeschichtlichen Entwickelung der Menschheit wider-sprechen ihr.
Daß es in der Natur Abstoßung und Anziehung gibt,wird Niemand leugnen wollen. Ein Blick auf magnetischePole, auf positive und negative Elektroden genügt, um dieseThatsache sicherzustellen. Wir finden dieselbe Erscheinung beiden untersten Lebewesen wieder. Gewisse Stoffe ziehen sie an,von anderen werden sie abgestoßen. Es kann sich dabei un-möglich um eine Neigung oder eine Willensäußerung handeln.Der Vorgang muß vielmehr als ein rein mechanischer ange-sehen werden, der seinen Grund wahrscheinlich in Molekular-verhältnissen hat, welche uns vorerst noch unbekannt sind. DieWissenschaft, die sich mit den Kleinlebewesen beschäftigt, nenntderen Verhalten gegenüber anziehenden und abstoßenden Stoffenmit dem von Pfeffer gebildeten Worte Chemotaxis?) Bei denhöheren Organismen liegen natürlich die Verhältnisse nicht so ein-fach. Auch bei ihnen ist zwar der letzte Grund der Neigungenund Abneigungen sicherlich ein chemotaktischer, die Wirkung derChemotaxis muß sich aber bei ihnen nothwendig in anderer Formgeltend machen. Eine einfache Zelle, wie es etwa ein Bazillusist, entfernt sich sofort, wenn sie in den Bereich eines sie ab-stoßenden chemischen Körpers gelangt. Die Zelle aber, die einBestandtheil eines höhern Organismus ist, hat nicht dieseFreiheit der Bewegung. Sie kann sich selbstständig nicht vomPlatze rühren. Wird sie nun chemotaktisch abgestoßen, sokann sie der Schädlichkeit nicht entrinnen und muß ihr aus-gesetzt bleiben, erleidet aber in ihrer Lebensthätigkeit Stö-rungen. Sind diese so erheblich, daß die Verrichtungen desGesammtorganismus durch sie beeinträchtigt werden, so er-langt dieser Kenntniß von ihnen, bestrebt sich, ihre Ursachewahrzunehmen, macht diese auch in der Regel ausfindig und
') Verworn gebraucht das Wort Chemotropismus.