II. Parnassier und Diabolrker.
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doch unverkennbar die Wirkung, den Gesammtorganismus zu er-halten; wenn sie diese Wirkung nicht erzielt, ja ihr entgegen-arbeitet, dann ist sie dem Gesammtorganismus schädlich undfür eine solche schädliche Thätigkeit einzelner Organe hat dieSprache das Wort Krankheit gebildet. Der Sophist, der leugnet,daß es Krankheit und Gesundheit gibt, muß folgerichtig auchleugnen, daß es Leben und Tod gibt, oder doch, daß der Todirgend eine Bedeutung hat. Denn thatsächlich geht bei ge-wisser Thätigkeit seiner Theile, die wir eben krankhaft nennen,der Gesammtorganismus zu Grunde, während er bei eineranders gearteten Thätigkeit, der als gesund bezeichnten, lebtund gedeiht. So lange also Bourget nicht die Lehre ausstellt,daß Schmerz ebenso angenehm sei wie Vergnügen, Hinfällig-keit eben so erfreulich wie Kraft und der Tod ebenso wünschens-werth wie das Leben, beweist er, daß er es nicht versteht oderwagt, aus seinem Vordersätze die richtige Folgerung zu ziehen,die sofort dessen Unsinnigkeit erkennen lassen würde.
Die ganze Theorie, welche die Vorliebe für das Böse er-klären und rechtfertigen soll, ist ja übrigens bloß nachträglich er-funden worden. Die Neigung zum Schlechten und Abscheulichenbestand zuerst und war nicht eine Folge der philosophischen Er-wägung und Selbstüberredung, daß sie vollkommen berechtigtsei. Wir haben hier einfach wieder einen Fall jener im Laufedieser Untersuchungen so oft festgestellten Methode unseres Be-wußtseins, den Antrieben und Handlungen des Unbewußten ver-nünftige Ursachen anzudichten.
Es handelt sich bei der Vorliebe der Parnassier für dasUnsittliche, Verbrecherische und Häßliche blos um organischeVerirrung und um nichts Anderes. Die Behauptung, daß der-artige Neigungen in jedem Menschen, selbst dem besten undgesundesten, bestehen und von ihm nur unterdrückt werden,während die Parnassier ihnen die Zügel schießen lassen, ist einewillkürliche und unerwiesene. Die Beobachtung und der ganze
Nord au, Entartung. II. 5