Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
59
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II. Parnassier und Diabetiker.

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Mordthat mit Begier verschlangen, glaube ich hundertfach solcheBeobachtungen gemacht zu haben." Professor Brentano ver-wechselt hier zunächst mit bedauerlicher Flüchtigkeit das Schlechteund das Traurige, zwei gänzlich verschiedene Begriffe. DerTod eines geliebten Menschen z. B. ist traurig, man kannaber nichts Schlechtes, nämlich Unsittliches, darin sehen, wennman nicht mit künstelnder Nabulistik in die das Einzelwesenauflösende Thätigkeit der Naturkrüste Unsittlichkeit hineindeutenwill. Er gibt ferner für eine Erklärung ans, was nur eineganz flache Umschreibung ist. Warum erfreut man sich amSchlechten? Weil offenbar eine gewisse Neigung in unsbesteht, uns am Schlechten zu erfreuen! F. Paulhan hat dieFrage ernster behandelt, aber auch mit ihm kommen wir nichtviel weiter.Ein beschaulicher, weiter, wißbegieriger, durch-dringender Geist", sagt er/)von tief sittlicher Richtung, dieaber während einer wissenschaftlichen Untersuchung oder ästhe-tischen Betrachtung großentheils vergessen werden kann, dazumanchmal eine leichte natürliche Verderbtheit oder auch bloseine deutliche Hinneigung zu gewissen Vergnügen, sie seienwelche sie wollen, die an sich kein Uebel sind, ja sogar etwasGutes sein mögen, deren Mißbrauch aber ein Uebel ist, dassind die Daseinsgründe des Gefühls" (der Liebe zum Bösen),das uns beschäftigt. Der Gedanke des Bösen findet einenfesten Stützpunkt, indem er einem Geschmack schmeichelt, under wird uns auch darum angenehm sein, weil er einen Hanggeistig (ickenlemknt) befriedigt, den thatsächlich bis zur Sät-tigung zu befriedigen uns die Vernunft verhindert." Wiederdieselbe Gedankenfolge, die sich wie eine spielende Katze imKreise dreht und sich in den eigenen Schwanz beißt: wir habenGeschmack am Bösen, weil wir am Bösen Geschmack finden.

si F. Paulhan, Uss nouvsau m^stieisms. Paris, 1891. S. 94.(Siehe übrigens den ganzen Abschnittlüamonr du mal",DieNeigung zum Bösen", S. 5799.)