Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
55
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II. Parnassier und Diaboliker.

ob

merkung anführt, billigt sie vollkommen.Auf den hohenGipfeln ist er" (der Dichter)ruhig; paoem summa teimnt",sagt er mit einem Bilde, das sich bei Nietzsche dntzendfach vor-findet.

Nageln wir hier vor Allem einen geläufigen Sophistenknifffest, den Baudelaire anwendet. Die Frage, die er beantwortenwill, ist die: hat die Dichtkunst sittlich zu sein oder nicht? Erschmuggelt nun in seine Beweisführung unversehens die Wissen-schaft ein, von der gar nicht die Rede ist, nennt sie mit derSittlichkeit in einem Athem, zeigt triumphirend, daß die Dicht-kunst mit Wissenschaft nichts gemein habe, und thut dann, alshätte er dasselbe von der Sittlichkeit dargethan. Nun fällt esaber heute keinem Vernünftigen ein, von der Dichtkunst zufordern, daß sie wissenschaftliche Wahrheiten lehre, und seitMenschcnaltern ist kein ernst zu nehmender Dichter auf denGedanken gekommen, Sternkunde oder Physik in einem Lehr-gedichte vorzutragen. Die einzige Frage, die Manche als offenebehandeln möchten, ist die, ob man von der Dichtkunst Sitt-lichkeit verlangen darf oder nicht, und auf diese Frage antwortetBaudelaire mit einer unerwiesenen Behauptung und einer listigenAblenkung.

Ich will bei der Frage hier nicht verweilen. Nicht, weilsie mich etwa in Verlegenheit setzt und ich ihr ausweichen möchte,sondern weil mir ihre Erörterung bei der Betrachtung derJünger des Parnasses, der Decadenten und Aestheten, die seineLehre ans die Spitze getrieben haben, besser am Platze zu seinscheint. Ich will vorläufig die Behauptung der Parnassier,daß die Dichtkunst sich um Sittlichkeit nicht zu kümmern habe,ohne Widerspruch lassen. Der Dichter solljenseits von Gutund Böse" stehen. Das kann doch aber vernünftigerweise nurvollkommene Unparteilichkeit bedeuten, das kann doch nur heißen,daß der Dichter bei der Betrachtung irgend einer That, irgendeines Anblicks blos ein Schauspiel vor sich sehen will, das er