Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
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Dic Jch-Sucht.

In der That, das Wort wurde von der Kritik schlechtgewählt. ^Impassibilits" in dem Sinne von vollkommenerGleichgiltigkeit gegen das Schauspiel der Natur und des Lebenskann es in der Kunst gar nicht geben. Sie ist psychologischunmöglich. Jede Kunstübung, soweit sie nicht bloße Schüler-Nachahmung ist, sondern aus ursprünglichem Drange hervor-geht, ist eine Gegenwirkung des Künstlers auf empfangeneEindrücke. Solche, die ihn ganz gleichgiltig lassen, geben demDichter keinen Vers, dem Maler kein Bild, dem Musiker keineTonzeichnung ein. Die Eindrücke müssen ihm irgendwie auf-fallen, sie müssen in ihm irgend eine Emotion erwecken, damiter überhaupt auf den Gedanken komme, sie künstlerisch zu ver-äußerlichen. Der Künstler hat den Gegenstand, den er mitden besonderen Mitteln seiner Kunst behandelt, aus der unend-lichen Fülle der an seinen Sinnen gleichmäßig vorüberflutendenErscheinungen herausgehoben, er hat eine auswühlende Tätig-keit geübt und ihm vor anderen den Vorzug gegeben. DieseBevorzugung setzt Neigung oder Abneigung voraus, der Künstlermuß also bei der Wahrnehmung des Gegenstandes etwasempfunden haben. Die bloße Thatsache, daß der Schriftstellerein Gedicht oder ein Buch geschrieben, beweist, daß ihm derbehandelte Stoff Neugierde, Theilnahme, Aerger, eine an-genehme oder unangenehme Erregung eingeflößt, daß er seinenGeist zum Verweilen gezwungen hat. Das aber ist dasGegentheil von Gleichgiltigkeit.

Die Parnassier sind nicht gefühllos. In ihren Gedichtenwird gewinselt, geflucht und gelästert, Freude, Begeisterung undSchmerz geäußert. Aber was sie quält oder entzückt, das sindausschließlich ihre eigenen Zustände, ihre eigenen Erlebnisse.Der einzige Inhalt ihrer Dichtung ist ihr Ich. Leid undFreude der übrigen Menschen sind für sie nicht vorhanden.Gefühllosigkeit ist also ihreimpmssiliilitä" nicht, wohl abervollständige Abwesenheit von Mitgefühl. DerElfenbein-