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Die Jch-Sucht.
wollten." Der Dichter, so faßt Banville seine Lehre zu-sammen, hat keine Gedanken im Gehirn; er hat nur Töne,Reime, Wortspiele. Diese Kalauer („onlemdours^) geben ihmdie Gedanken oder einen Anschein von Gedanken ein.
Auch wir haben Dichter gehabt, die die Form vielleichtetwas übermäßig pflegten und die Rücksicht auf den Inhalthinter sie zurücksetzten. Platen zwar, den man so ungerechtkalter Aeußerlichkeit beschuldigte, ist im Gegentheil das Mustereines gewissenhaften Künstlers, der wohl Vollendung der tech-nischen Arbeit anstrebt, aber ihr nicht die leiseste Schattirungdes Gedankens opfert. Allein Rückert sank, namentlich in den„Makamen des Hariri" und selbst in der edeln „Weisheit derBrahmanen", bis zur Wortspielerei hinab und Badenstedt hatsich nicht immer von geschmackloser Reim-Witzelei freigehalten.Zu unserm Ruhme sei es jedoch gesagt: das deutsche Schrift-thum hat bisher noch keinen nur einigermaßen namhaftenDichter zu verzeichnen, der gewagt hätte, nach dem BeispieleBanvilles den Kalauer als das Wesen der Dichtkunst hinzustellen!
Mit Recht übt Guyau^ an der von Banville geformtenKunst-Theorie der Parnassier diese Kritik: „Die bis zumäußersten getriebene Reimjagd führt dazu, daß der Dichter sichentwöhnt, die Gedanken folgerichtig zu verknüpfen, das heißtim Grunde: zu denken; denn denken ist, wie Kant gesagthat, vereinen und verbinden. Reimen dagegen heißt, Worte,die nothwendigerweise unzusammenhängend sind, nebeneinanderstellen. . . Die Anbetung des Reimes um des Reimes willenführt allmälig in das Gehirn des Dichters selbst eine ArtUnordnung und dauernden Wust ein: alle üblichen Gesetze derGedanken-Verknüpfung, alle Folgerichtigkeit des Denkens, sindzerstört, um durch den Zufall der Begegnung von Tönen er-setzt zu werden. . . Umschreibung und Gleichniß sind das ein-
^ M. Guyau, a. a. O. S. 264, 265.