Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
37
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I. Psychologie der Jch-Sucht.

es uns das Rad nach unserm Bedarf dreht. Wir wissen, daßdie Elektrizität Kupferdrähten folgt, und bereiten ihr vollschlauer Ergebung in ihre Eigenheit Kupferbahnen nach derStelle, wo wir sie haben wollen und wo ihre Wirkung unsnützlich ist. Ohne Kenntniß der Natur also keine Anpassungund ohne Anpassung keine Möglichkeit, aus ihren Kräften einenVortheil für uns zu ziehen. Der Entartete nun kann sich nichtanpassen, weil er keine deutliche Vorstellung der Verhältnissehat, denen er sich anpassen soll, und er erlangt von ihnen keinedeutliche Vorstellung, weil er, wie wir wissen, schlecht leitendeNerven, stumpfe Wahrnehmungs-Zentren und geringe Auf-merksamkeit hat.

Die treibende Ursache aller Anpassung wie jeder An-strengung überhaupt und Anpassung ist ja nichts Anderesals eine Anstrengung besonderer Art ist der Wunsch, irgendein organisches Bedürfnis; zu befriedigen oder irgend einemUnbehagen zu entgehen. Anders gesagt: die Anpassung hatden Zweck, Lustgefühle zu geben und Unlustgefühle zu ver-mindern oder zu unterdrücken. Der Anpassungs-Unfähige istdarum sehr viel weniger als der Normalmensch im Stande,sich angenehme Empfindungen zu verschaffen und unangenehmevon sich abzuwehren; er stoßt sich an alle Ecken, weil er ihnennicht auszuweichen weiß, und er trägt vergebens nach dersaftigen Birne Verlangen, da er es nicht versteht, den Zweigzu erhaschen, an dem sie hängt. Der Ich-Süchtige ist dasMusterbild eines Anpassungs-Unfähigen. Er muß also noth-wendig von der Welt und den Menschen leiden. Der Grundseines Wesens ist denn auch Mißmnth und er wendet sich ingrimmiger Unzufriedenheit gegen die Natur, die Gesellschaft,die öffentlichen Einrichtungen, die ihn ärgern nnd verletzen,weil er sich nicht in sie zu schicken vermag. Er ist beständigim Zustande der Empörung gegen alles Bestehende und arbeitetan dessen Umsturz oder träumt doch von diesem. An einer be-