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Die Jch-Sucht.
ist unmöglich, einen Faden in eine Nadel einzufädeln, wennman das Ohr nicht scharf genug ins Auge faßt und den Zwirnmit sicherer Hand an die richtige Stelle führt. Das ist soselbstverständlich, daß man es kaum zu sagen braucht. Waswir die Herrschaft über die Natur nennen, ist thatsächlich dieAnpassung an die Natur. Es ist eine ungenaue Ausdrncks-weise, wenn wir davon sprechen, daß wir uns die Naturkräftedienstbar machen. In Wahrheit beobachten wir sie, lernen ihreEigenthümlichkeiten kennen und richten es so ein, daß die Zieleder Naturkräfte und unsere eigenen Wünsche zusammenfallen.Wir bauen das Rad dort hin, wohin das Wasser kraft desNaturgesetzes fallen muß, und haben dann den Vortheil, daß
düng von angemessenen Impulsen an diese Organe. Dag solche Im-pulse die anatomische Struktur der Organe ändern können, hat schonKant geahnt, als er seine Abhandlung „Von der Macht des Gemüthes"schrieb, und die neuere Heilkunde hat den vollen Beweis dafür er-bracht, indem sie zeigte, daß die Wundenmale einer Louise Lateau, dieGeschwulstheilungen auf dem Grabe des Diakonns Paris, die an derHaut von Hysterikern durch Suggestion eintretenden Veränderungen,die Entstehung von Muttermälern durch Versehen oder Emotionen, dieWirkung von Vorstellungen auf Körpergewebe sind. Man hat Unrechtgehabt, Lamarck zu verspotten, als er lehrte, daß die Giraffe einenlangen Hals habe, weil sie ihn fortwährend reckte, um die Kronenhochstämmiger Bäume zu erreichen und die Blätter abfrcssen zu können.Wenn das Thier die deutliche Vorstellung ausarbeitet, daß es den Halsaufs Aeußerste verlängern müsse, um bis an das hochstehende Laubzu gelangen, so wird diese Vorstellung den Blutumlauf in allen Ge-weben des Halses aufs Stärkste beeinflussen, sie werden ganz andersernährt werden, als es ohne jene Vorstellung geschähe, und die vomThier gewünschten Veränderungen werden, wenn sie seiner Gesainmt-Anlage nach überhaupt möglich sind, allmälig sicher eintretcn. Erkennt-niß und Wille sind also die Ursachen der Anpassung — nicht Wille immystischen Sinne Schopenhauers, sondern als Ausscnder von Nervcn-impulsen. Dieser Gedankenumriß möge dem Leser genügen, da hiernicht der Ort ist, ihn des Weitern auszuführen und im Einzelnen nach-zuweisen, wie fruchtbar er für die Entwickelungslehre ist.