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2 (1893)
Entstehung
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I. Psychologie der Jch-Sucht.

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seüschaft zu behaupten, er ist dazu, wenn es sich blos um dieErreichung niedriger Ziele handelt, häufig sogar fähiger als derhöhere und edlere Mensch, der sich bis zur Selbstlosigkeit empor-gerungen hat. Der Ichsüchtige dagegen ist ein Kranker, der dieDinge nicht sieht, wie sie sind, der die Welt nicht begreift undsich nicht richtig zu ihr zu stellen weiß. Auch die Franzosenmachen diesen Unterschied und bezeichnen die Ichsucht mit demaus dem Englischen genommenen neuen WortekAotisine", dasvon den sorgfältigeren Schriftstellern niemals mitLAnmme"Selbstsucht, verwechselt wird.

Natürlich muß der Leser, wenn ihm die geistige Physiognomieder Ichsüchtigen gezeigt wird, immer daran festhalten, daß zwardie Hauptvertreter dieser,und der mystischen Gattung scharfgenug gekennzeichnet, die Grenzen der letztem aber schwimmendsind. Die Ichsüchtigen sind einerseits gleichzeitig Mystiker, Ero-tiker, manchmal sogar, scheinbar paradoxal, angebliche Menschen-freunde, und bei den Mystikern treffen wir andererseits oft genugeine stark entwickelte Ichsucht an. Es gibt einzelne Menschen-Erscheinungen unter den Entarteten, bei denen alle Störungenso gleichmäßig auftreten, daß man in Zweifel sein kann, obman sie richtiger den Mystikern oder den Ichsüchtigen zuzählenwürde. In der Regel wird aber die Einordnung in die eineoder andere Klasse keine allzugroße Schwierigkeit bieten.

Daß der Egoismus ein hervorstechender Charakterzug derEntarteten ist, wird von allen Beobachtern einhellig festgestellt.Der Degenerirte kennt nichts als sich und nimmt an nichtsAntheil als an sich selbst," heißt es bei Roubinovitch?)Er hatnur eine einzige Sorge: seine Begierden zu befriedigen," sagtLegrain?) Diese Eigentümlichkeit schlingt vom höchsten bis

st I. Roubinovitch, H/stsrio inälo st äsAsnsrssssnss, Paris,1390. S. 62.

st Legrain, a. a. O. S. 10.