Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Sucht.

barkeit noch die Hirnschwäche hinzngefügt, welche die Schwächeder Wahrnehmung, des Willens, des Gedächtnisses, des Urtheils,die Unaufmerksamkeit, die Unstetigkeit in sich schließt, so hätteer das Wesen der Entartung erschöpfend gekennzeichnet undvielleicht verhindert, daß die Jrrenheilkunde mit einer Mengeunnöthiger und verwirrender Bezeichnungen vollgekramt werde.Kowalewski kam der Wahrheit viel näher, als er in seiner be-kannten Studie alle Geistesstörungen der Entarteten als eineeinheitliche Krankheit darstellte, die nur verschiedene Stärke-grade erkennen lasse und in ihrer mildesten Form die Neur-asthenie, in der schwereren Zwangs-Antriebe und unsinnigeAngstgefühle, in der schwersten den Grübel- oder Zweifel-Wahnsinn gebe. In diesem Nahmen lassen sich alle einzelnenManien" undPhobien" unterbringen, von denen gegenwärtigdas psychiatrische Schriftthum wimmelt.

Aber wenn man es ablehnen muß, aus jedem Anzeichen,in welchem sich die Grundstörung, nämlich die Entartung,kundgibt, eine besondere Krankheit zu machen, so ist anderer-seits doch auch nicht zu verkennen, daß bei manchen Entarteteneine Gruppe von Krankheits-Erscheinungen entschieden vorwiegt,ohne daß darum die übrigen bei ihnen fehlen. Es ist alsozulässig, unter ihnen gewisse Haupt-Gattungen zu unterscheiden,und zwar neben den Mystikern, deren hervorragendste Vertreter-in der zeitgenössischen Kunst und Dichtung wir kennen gelernthaben, die Ichsüchtigen. Es ist keine Ziererei, daß ich michdieses Wortes statt der längst gebräuchlichenSelbstsucht"undSelbstsüchtige" bediene. Die Selbstsucht ist eine Un-liebenswürdigkeit, ein Erziehungsfehler, vielleicht ein Charakter-Mangel, ein Beweis ungenügend entwickelter Sittlichkeit, abersie ist keine Krankheit. Der Selbstsüchtige ist vollkommen imStande, sich im Leben zu führen und seinen Platz in der Ge-

st Analysirt im äournal ot Klentat Loisnes, Januar 1888.