Druckschrift 
1 (1830) Geschichte des Tempelherren-Ordens
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

Die große und in der Kirche einzig dastehendeFreiheit, welche die Papste Eugen III., Hadrian IV.und Alexander III. dem Orden ertheilten, in Städ-ten und Landern, welche mit dem Jntcrdict belegtwaren, einmal im Jahre Gottesdienst zu halten,mißbrauchten die Ritter nicht selten zu einem un-würdigen Handel mit dem Heiligen. Gegen einegewisse Summe Geldes begruben sie im Kirchen-banne verstorbene Personen auf ihrem Gottesacker.Für Geld lasen sie Messe, ließen die Glocken ertö-nen, und entzogen so dem auf den Altarpfcnnigangewiesenen Elerus das rechtmäßige Einkommen.Die Mißgunst der Bischöfe wurde immer heftiger,die Klagen der Geistlichen lauter. Papst Jnno-ccns IH. konnte nicht umhin, so sehr er den Or-den begünstigte, dies Betragen streng zu rügen unddie Ritter in Ausübung ihrer Privilegien in dieSchranken der Mässigung zurückzuweisen.

Geld und Ansehen waren die gewöhnlichen Be-dingungen bei der Aufnahme in den Orden. Somußte Letzterer an Moral verlieren, und dadurchden Grund zu seiner Verwilderung legen. Daherdie vielen Beschwerden über Schwelgerei und un-natürliche Wollüste. Die große Vorliebe und ta-delnswerthe Nachsicht der Päpste, verbunden mit ih-ren reichen Schätzen, nagten heimlich an dem Ge-bäude ihrer Macht. Zu dieser Zeit besaß der Or-den schon 7050 Besitzthümer sowol Ländereien alsKapitelhäuser. Auf Negroponte, in Livadicn, beiTheben, in Spanien, Portugal, Frankreich undEngland blüheten ihre Kommenthureien, in Dalma-tien und Slavonien schenkte ihnen König Ste-phan III. von Ungarn schöne Güter. Kaiser Frie-drich sprach nebst andern Gnaden dem Großprior