Einleitung.
Ein Blick auf das Mittelalter.
2v(an hat das Alterthum, als eine Zeit, woSinnlichkeit und rohe körperliche Empfänglichkeitvorherrschend war, nicht selten mit der Kindheitdes Menschen verglichen, und dagegen die neuereZeit wegen ihrer sittlichen Richtung und der über-wiegenden Neigung zu geistiger Ausbildung undÜberlegung das Mannesalter der Menschheit ge-nannt; demnach bleibt uns das Mittelalter durchdie Jünglingsjahre zu bezeichnen übrig.
Der Eharakter des Jünglings ist stolzes Ge-fühl persönlicher Kraft, Phantasie, Leidenschaftlich-keit, offene Ehrlichkeit, jugendliche Rohheit, Tha-tendurst und glühender Enthusiasmus für das Große,Hohe und Heilige. Dieselben Grundzüge findensich in dem Charakter des Mittelalters wieder.
Arotz aus eigene Kraft und persönliche Freiheitschufen das Lehnswesen, das Faustrecht, Städte,Zünfte und Innungen. Der Enthusiasmus für dasHohe und Heilige erzeugte das Ritterwesen, Ro-mantik, Minnegesang und Ritterpoesie — SchwächeI 1