Druckschrift 
1 (1830) Geschichte des Tempelherren-Ordens
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
 

Mit diesem Ereignisse schien der Untergang desKönigreichs Jerusalem von der Vorsicht beschlossen.Die Schlange der Zwietracht erhob blutgieriger, alsje zuvor, ihr furchtbares Haupt. Verborgener Haß,scheeler Neid und niedrige Rachsucht erfüllte Hoheund Niedrige, und trennte sowol Weltgeistliche alsOrdensbrüder. Der vcrstandesschwache König warein Spielzeug in den Händen des Patriarchen unddes Tempclgroßmeisters. Sein eigener Bruder, alser von Veits Thronerhebung hörte, äußerte: „Wahr-lich, die ihn zum Könige machten, hätten mich,wenn sie mich kennten, zum Gott Vater selbst ma-chen müssen!"

Der ehemalige Rcichsstatthalter Raimund warverhaßt. Aus Europa ließ sich keine Hülfe sehen;man schien daselbst zu schlafen, und dachte nachdem Tode Papst Lucius Lll. an keinen Kreuzzugmehr.

Als der unbesonnene König Veit sich es nunvollends cinfallen ließ, den Grafen von Tripolis,der bei seiner Krönung sich absichtlich entfernte, indem festen Schlosse Tabaria zu belagern, konntesich dieser nicht anders helfen, als daß er Saladinum Beistand anflehte. Der Sultan erschien auch,jede Schwäche der Christen benutzend, mit einembedeutenden Heere.

In großer Unruhe sandte Veit nun die beidenGroßmeister, den Erzbischof von Tprus und meh-rere Grafen an Raimund von Tripolis, um sichmit ihm zu versöhnen. Um der Unterhandlung einernstliches Ansehen zu geben, war selbst Gerhardvon Ridefort, dessen Todfeind, dabei.

Unterdessen zog Saphadin, Saladins Sohn, mitseinen Völkern heran. Der unerschrockene Gerhard