Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
248
Einzelbild herunterladen
 

sich zu sehen, um nur nicht immer ein sie denken zumüssen und Tag und Nacht in Gesellschaft des nich-tigen, furchtbaren Schattens zu leben!-Wie oftwünschte sie nicht ihre Stimme zu vernehmen, wennsie auch noch so sehr gedroht hatte, um nur nicht im-mer das gräßliche Geflüster in sich zu haben undWorte zu hören, die unverständlich und mit hart-näckiger, unermüdeter Beständigkeit, wie kein leben-des Wesen sie haben konnte, ausgesprochen wurden !

Seit diesem Vorfälle mochte etwa ein Jahr vor-über scyn, als Luzia der Signora vorgestellt wurdeund mit ihr das Gespräch hatte, bei dem wir sie ver-ließen. Die Signora fragte immer mehr nach DonRodrigo's Nachstellungen und ging dabei selbst so kühnin gewisse nähere Umstände ein, daß Luzia höchst er-staunt darüber war, da sie sich niemals hatte träu-men lassen, daß die Neugier der Nonnen so weit ge-hen könne. Die Aeußcrungen aber, welche sie zwi-schen die Fragen einstreute, waren nicht weniger selt-sam. Es schien beinahe, als spotte sie über die großeFurcht, die Luzia immer gegen den Kavalier an denTag legte, und sie fragte mehrmals, ob er denn soentstellt sey, um Furcht cinzuflößen. Man möchtefast sagen, daß sie Luziens Widerwillen, ohne die Lie-be zu Renzo, für einfältig, unvernünftig gehaltenhaben würde. Was Renzo betraf, so erließ sie nichtmindere Fragen, die Luzien einmal über das anderedas Blut ins Gesicht jagten. Sie nahm aber endlich