Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
245
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de« Wohnung zu besitzen. Der Theil des Klostersgrenzte an ein Haus, welches ein junger Mann innehatte. Sein Gewerbe waren Verbrechen, und er ge-hörte zu den damals nicht seltenen Menschen, welche,mit ihren Helfershelfern und in Verbindungen mitandern Lasterhaften, bis zu einem gewissen Gradealle Gesetze und öffentliche Gewalten verhöhnen konn-ten. Wir wollen ihn blos Egydius nennen. Erhatte mehrmals aus einem kleinen Fenster, was einGehöf dieses Klosterflügels beherschte, bemerkt, daßGertrud da herum ab - und zuzuwandeln pflegte.Gereizt sowohl, als erschreckt von den Gefahren undder Ruchlosigkeit eines solchen Wagestücks, war erdereinst so kühn, sie anzureden. Die Unglücklicheantwortete. In diesen ersten Momenten empfandsie zwar sicher kein achtes, aber ein lebhaftes Ver-gnügen. Dem verdrossenen Gelübde ihrer Seele hattesich die Gewohnheit an anhaltende Strenge und be-fehlende Lebensweise beigcmischt. Aber ihr nunmeh-riges Vergnügen glich dem Stärkungstranke, welchendie rafsinirteste Grausamkeit der Alten dem Verur-theilten eingab, um ihm desto längere Kräfte zu Er-duldung der Martern zu geben. In GertrudcnsWesen schien zugleich eine gänzliche Umwandlung vor-gegangen zu seyn: sie ward auf einmal ordentlich, ruhi-ger, gab Spott und Hohn auf und erwies sich gegen alleartig und liebreicher. Die Schwestern, weit entfernt,die Wahrheit zu ahnen und daß diese neue Tugend