überraschte sie eine Kammerfrau, als sie eben im Be-griff stand, ein Blatt eilig zusammen zu falten, auf dassie besser gethan haben würde, nichts zu schreiben. Nacheinigem Hin- und Hcrziehen erbeutete dieKammerfraudas Blatt und trug es zum Fürsten. EertrudensSchrecken, als sie seine Schritte nahen hörte, läßtsich nicht beschreiben noch denken; ihr Vater warerzürnt, und sie fühlte sich strafbar. Er trat herein,seine Augenbrauen waren zusammcngezogen: siehätte hundert Ellen tief in der Erde scyn mögen, —im Kloster aber doch nicht. Er sagte wenig, abermit Grimm. Ihre nächste Strafe war nur, unterder Aufsicht der Kammerfrau, welche die Entdeckungmachte, in ihr Zimmer eingesperrt zu werden; eswar die Vorbereitung zu einer Anderen, die man sieahnen ließ, einer weit düsterem, unbestimmten unddeshalb entsetzlicheren.
Der Page ward, nach Verdienst, alsbald fortgcjagtund mit furchtbarer Rüge bedroht, wenn er jemalsvon der Sache ein Wort verlauten lasse. Der Fürstgab ihm zum Abschiede und um ihm die Lust zu be-nehmen, sich seines Glückes bei diesem Vorfälle zu rüh-men, ein paar derbe Ohrfeigen. Ein, die Entfernung desPagen rechtfertigender Vorwand war bald gefunden,und Gertruden gab man für krank aus. So war siedenn allein mit ihrer Unruhe, Schaam, Reue, Angstvor der Zukunft und mit dem Weibe, das sie alsZeugin ihrer Schuld, als Ursache ihres Unglücks