zu setzen. Die Gesellschaft war trauriger, geringer,einförmiger, wie im Kloster. Sobald irgend cln Be-such angemeldet ward, mußte Gertrud in ihr Zimmermit einigen alten Kammerfrauen, und bei jedem Gast-mahle nöthigte man sie, daselbst allein zu essen. DieDienerschaft richtete ihr Betragen gegen sie nach demder Herrschaft ein, und wenn Gertrud, wäre esauf sie angekommen, dieselbe mit vornehmer, nach-lässiger Vertrautheit behandelt haben würde und lnihrem gegenwärtigen Zustande gern, wenigstens denkleinen Trost gehabt hätte, sich von ihnen mit wohl-wollender Ehrerbietung, wäre sie auch nur erlogengewesen, behandelt zu sehen, so mußte sie die De-müthigung und den Kummer offenbarer, nur vonleichtem Schleier umhüllter Nichtbeachtung, vonihnen ertragen. Jndeß bemerkte sie, daß ein Page,ungleich den Anderen, ihr mit hoher Achtung undganz besonderer Theilnahme begegne. Das Wesendieses jungen Menschen kam, vor dem aller anderen,den idealen Gestalten ihrer geträumten Phantasieen-welt am meisten gleich. Nach und nach ward etwas'Neues, Ungewohntes in dem Betragen der jungenDame erkennbar: ihre Ruhe und Unruhe war andersals sonst; sie schien etwas gefunden zu haben, wasihr Schmerz verursache, was sie ohne Aufhören an-sehen möchte, dessen Anblick sie Niemand sonst gönne.Man bewachte sie schärfer als zuvor und, — es mochtenun daran seyn, soviel da wollte, eines Morgens
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