sie, sich einer ibrer Gespielinnen anzuvertrauen undzwar der freimüthigsten, welche stets mit kräftigenRathschlägen am bereitesten war. Diese rieth dennGertruden, den Fürsten mit ihrer Sinnesänderungschriftlich bekannt zu machen, besonders weil sie nichtden Muth haben dürfte, ihm zu seiner Zeit ein fe-stes : „ Ich will nicht! " ins Gesicht zu sagen. Wieüberhaupt auf dieser Welt guter Rath, in mehr alseinem Sinne, theuer ist, so machte sich die Erthei-lerin des gegenwärtigen auch dafür, durch vie-len Spott über Gertrudens Feigheit, von dersel-ben bezahlt. Drei oder vier Vertraute heckten denBrief aus, und er wurde verstohlner Weise geschriebenund mit vieler Schlauheit heimlich abgesandt. Ger-trud wartete angstvoll und zagend vergebens auf Ant-wort; nach einigen Tagen nahm die Aebtissin sie aber,mit dem Ausdruck verhaltenen Unwillens und Ta-dels und des Mitleidens, abseits vor, ließ einige ge-heimnißvolle Worte vom Zorn des Fürsten und dervon ihr begangenen Uebereilung fallen, deutete jedochan, daß, wofern sie sich gut aufführe, gänzlichesVergessen auch für sie zu hoffen stehe. Gertrud ver-nahm es und wagte nichts mehr deshalb zu bitten.
Endlich kam der so sehr gefürchtete und ersehnteTag. Dbschon Gertrud wußte, daß sie einem Kampfeentgegengehe, so erweckte ihr doch das Verlassen desKlosters und der Mauern, in denen sie acht Zahr»«ingeschloffen rpar, die Fahrt durch das freie Land«