Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
202
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Bleibens seiner Tochter errathen ließ, höchst willfäh-rig, da dieselben mit ihrem Interesse durchaus zu-sammentrafen. Gertrud war also kaum im Klosterangekommen, als man sie schon vorzugsweise dieSignora nannte, bei Tische und im Schlafsale ihr einenEhrenplatz gab und ihre Aufführung den Anderen alsMuster bezsichnete. Man liebkoste sie, schmeichelteihr ohne Ende und legte ihr die ehrerbietige Vertrau-lichkeit an den Tag, auf welche Kinder so stolz zuseyn pflegen, wenn sie ihnen von denen zu Theilwird, welche Andere ihres Alters mit Zurückhaltungund ernster Würde behandeln.

Zwar waren nicht alle Nonnen des Klosters aufdiese Weise verschworen, denn cs gab gewiß manche,die wahre Herzenseinfalt besaßen, keine Kabalensuchtkannten und den Gedanken, ein Mädchen bloßen,niedrigen Interesses halber, aufzuopfern, mit Ab-scheu verworfen haben würden; diese aber gingen ih-ren Beschäftigungen nach, bemerkten entweder alledie Winkelzüge gar nicht, oder verkannten nur halbund halb ihr Tadelnswerthes, oder enthielten sich ei-ner nähern Beleuchtung desselben, oder schwiegenwohl auch, um keinen, nichts helfenden, Anstoß zu ge-ben. Manche erinnerte sich vielleicht auch, dereinstselbst auf solche Act zu dem verleitet worden zu seyn,was sie dann bereuete und fühlte inniges Mitleid fürdie arme, schuldlose Kleine, die weit entfernt war,hinter ihrem zärtlichen, schwermuthvollen Gekost, ein