Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

gemeint haben, Verlangen nach Liebe, Theilnahmeund Mitleid, jetzt unauslöschlichen, ticfgewurzeltenHaß und einen gewissen, unnennbaren Ausdruck derWildheit und Grausamkeit in ihnen zu entdecken;oder wenn sie so todt und unbeweglich schienen, hat-ten wohl auch Andere Hochmut!) und Ueberdruß inihnen gelesen, oder das Treiben und Weben ir-gend eines verborgenen Gedankens, eines der Seeletief eingeprägten, sie mehr als äußere Gegenständebeherrschenden Kummers. Ihre bleichen, zartgcform-ten Wangen schienen sich langsam abgezehrt zu haben,und auch die Lippen, auf denen kaum noch eine Spurehemaliger Rölhe zu erblicken war, kamen ihnen anBleiche fast gleich. Die Bewegungen ihres Körperswaren, wie die der Augen, lebhaft, übereilt, aus-drucks-und geheimnißvoll. Ihr hoher, ebenmäßigerWuchs ging in einer angewöhnten, hinfälligen Kör-perhaltung unter und ward oft selbst durch zu jählinge,ungeregelte und für ein Weib, noch vielmehr aberfür eine Nonne, viel zu heftige Bewegung entstellt.Auch der Anzug verrielh durch einige zu sorgfältige,einige zu nachlässige Stellen einen bizarren Karakter.Ihr Leib war auf zu profane Weife gegürtet, und ausder Kopfbinde schwoll, über dem einen Schlafe, einvoller Haarzopf hervor, der von Vernachlässigung oderGeringschätzung der Ordensregel zeugte, welche vor-schrieb, das bei der feierlichen Einkleidung abgeschnit-tcne Haar nie wachsen zu lassen.