Druckschrift 
1 (1828)
Entstehung
Seite
39
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abscheuliche Leidenschaft für Luzien konnte Don Ro-drigo zu dieser Thal veranlassen! Und hatte ihm Luziawirklich nicht die kleinste Ermunterung und Gunst er-wiesen ? War sie davon unterrichtet? Hatte er nichtschon andere Mittel versucht, ehe er zu diesem schritt ?Und warum sagte Luzia ihm, ihrem Verlobten, nieein Wort davon?

Mit solchen Gedanken ging er vor seinem Hause,in der Mitte deS Dorfes vorüber, und näherte sich demLuziens, das am andern Ende lag. Vor dem Häus-chen befand sich ein kleiner, mit einer Mauer umgebe-ner Hof, der es vom Wege schied. Als Rcnzo cin-trat, vernahm er ein von einem oberen Zimmer aus-gehendes, anhaltendes, verwirrtes Geschrei. Er meinte,es wären die Freundinnen und Gevatterinnen, die sichzum Brautgefolge eingestellt hätten, und wollte dieserGesellschaft seine Nachricht nicht von Angesicht zu An-gesicht mittheilen. Auf dem Hofe erblickte ihn einkleines Mädchen und lief ihm mit dem Ausrufe:DerBräutigam, der Bräutigam! ^ entgegen.

,»Still, Still, Bettina!" sagte Renzo.Kommher, geh zu Luzien hinauf, zieh' sie bei Seite und sagihr ins Ohr, aber daß cs ja Niemand hört und be-merkt, sag ihr, ich habe mit ihr zu reden und erwartesie im unteren Zimmer. Geh, lauf recht geschwind!". Das Kind lief rasch die Treppe hinauf, eitel undzugleich stolz auf seinen geheimen Auftrag.

Luzia kam oben in völligem Schmucke aus den Hän-