1S3
dem scharfen, durchschauenden Auge des Argwohnsunmöglich gefallen war, auf dem Wege Unflath undSchmutzflecken wahrzunehmen: so wandte man sich,zur Erklärung des Räthsels, zu jener anderen, schonalten und in dieser Wissenschaft damals durch ganzEuropa wohlbekannten Erfindung: der Hexen- undGiftpulver; sagte, solche, längs der Straßen undbesonders an die Ruheplätze verstreute Pulver warenden Schleppen der Kleider angeflogen und hätten sichvornehmlich den Füßen der Vielen, welche barfuß mit-wanderten, angeklebt. „Es stritt," sagt ein Schrift-steller jener Zeit *), „ an dem Tage der Prozession,Gottesfurcht mit Gottlosigkeit, Verrath mit Treue,Verderben mit Gewinn." Und es war doch nur derarme menschliche Verstand, der mit sich selbst geschaff-nen Schreckbildern stritt!
Von diesem Tage an machte die Seuche reißendeFortschritte; bald gab es kaum noch ein Haus, wosie nicht wüthete; in kurzem stieg die Bevölkerungdes Lazarethes, wie der oben citirte Somiglia angiebt,von zwei-aufzwölstausend; in der Folge, beinahe nachAller Angabe, auf sechzehntausend. Am 4.Juli, wieichin einem andern Briefe des Tribunals an den Gou-verneur finde, überstiegen die täglichen Sterbefälledie Zahl von fünfhundert. Weiterhin, am höchstenPunkte, erreichten sie, beharrten bei ihr, nach der
*) ^xostino , Is xe8tilenrL segnitL in
MlLno, 1'LUno 1V34. LllliUio 1634.
Hl. N