Reiter und Fußgänger, auf Befehl des Sanitättri-dunales nackend auf einen Karren geworfen, nachdiesem Gottesacker gefahren wurden, damit die Volks-menge an ihnen die offenbaren Wahrzeichen, die gräß-lich auf ihnen ruhende Hand der Pest erblicke. EinSchrei des Abscheus und Entsetzens erscholl überall,wo der Karren vorbeikam; anhaltendes Gemurmel liefihm überall voran und nach. Man glaubte mehr an diePest; sie machte sich aber auch von Tage zu Tage selbstimmer glaubhafter und eben diese Volksversammlungtrug nicht wenig bei, sie weiter um sich greifen zu lassen.
Zuerst also durste es durchaus keine Pest seyn; jaes war verpönt, nur das Wort Pest über die Lip-pen zu bringen. Dann waren es pestartige Fie-ber: der Gedanke der Pest schlich sich mit einemBeiworts ein. Hierauf war es zwar keine Pest, dasheißt» keine eigentliche Pest,, nur Pest in gewissemSinne, etwas, das zwar nicht Pest ist, für das manaber doch keinen andern Namen als Pest hat. End-lich Pest ohne Zweifel und Widerspruch; aber nunhangt ihr eine andere Idee an: die der^ Hexerei undGiftmischerei, die den eigentlichen Sinn des Wortes,dessen man sich nicht mehr zu entledigen vermag, ver-fälscht und in sich aufnimmt.
Man braucht, denke ich, nicht sehr in der Ge-schichte nachzuforfchen, um zu finden, daß man mitGedanken und Worten schon zum öfteren solchen Mis-sbrauch trieb; dem Himmel sey Dank! es giebt aber