Druckschrift 
3 (1828)
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Gelangten solche einzelne Falle ja vor das Sani-tättribunal , so berichtete man sie entweder zu spat,oder wenigstens zu unbestimmt. Entsetzen vor Con-tumaz und Lazareth schärfte Aller Witz und Verstand;die Kranken wurden verläugnet, Todtengräber undBolksälteste bestochen; selbst von den zu Untersuchung,der Leichname abgeordneten Subalternen des Tri-bunals wußte man sich falsche Attestate zu erkaufen.Da nun aber das Tribunal bei jeder neuen Entdeck-ung Verbrennung von Kleidern und Geräth anordne-te, Häu'er verschließen und sequestriren ließ, Fami-lien ins Lazarcth sandte; so ist cs leicht begreiflich,daß allgemeine Erbitterung und Haß, von Adel so-wohl als Kaufmanschast und Volk, bei der gewissenvon ihnen genährten Ueberzeugung, cs seyen allesnur nutz - und grundlose Scherereien, darauf erfolgenmußte. Der stärkste Unwille betraf die beiden Aerz-te Tadino und Seltala, den Sohn, und steigerte sichso sehr, daß einer wie der andere nicht wagen durste,sich auf öffentlicher Straße zu zeigen, ohne sogleichmit Schimpfreden, wo nicht mit Steinen beworfenzu werden. Es war in der That eine sonderbare, be-merkenswerthc Lage, in der sich diese beiden Männerwährend einiger Monate befanden: eine furchtbareLandesgeißel heran nahen zu sehen, sich auf alle erdenk-liche Weise zu deren Ableitung zu bemühen, außer derHartnäckigkeit des Uebcls selbst, allerwärts bösen Wil-len anzutreffen, die Zielscheiben des allgemeinen Un-